«Twitter-Statisten» im Residenztheater

Das Twitter-Zeitalter erreicht auch das Theater. Zum Abschluss der Twitter-Theater-Woche an mehreren deutschen Bühnen schickt das Münchner Residenztheater «Twitter-Statisten» an den Start.

Bei der Aufführung von Jean Pauls «Flegeljahre» an diesem Freitag setzt das Theater fünf Zuschauer auf die Bühne, die das, was sie sehen, per Kurznachricht ins Internet schicken sollen. Diese «Twitter-Statisten» sollen während der gesamten Vorstellung mitten im Bühnengeschehen sitzen, können so die Inszenierung von Regisseur Robert Gerloff hautnah erleben und ihre Erlebnisse direkt via Twitter mitteilen.

Eine Statistin ist die Theaterwissenschaftlerin Tina Lorenz aus Regensburg. «Twittern von der Bühne ist für mich ein unglaublich spannendes Experiment in neuartiger Rezeption», sagte die 32-Jährige, die Mitglied des Chaos Computer Clubs ist. Darum habe sie sich sofort um eine Statistenrolle beworben.

Die Theater-Sehgewohnheiten hätten sich stets verändert. «In der Antike ging das Theater von morgens bis abends, und die Leute haben sich dabei besoffen. Im Barock stand der Adel mit den Schauspielern auf der Bühne, eine Zeit lang blieb das Licht im Zuschauerraum an, weil die Leute vor allem selbst gesehen werden wollten.

Und in 100 Jahren wird es das bürgerliche Theater, wie wir es heute kennen, so sicher nicht mehr geben», prognostizierte die Dozentin für Theatertheorie an der Akademie für Darstellende Kunst Regensburg.

Das Twittern von der Bühne stellt ihrer Ansicht nach einen Einschnitt in das Verhältnis zwischen Publikum und Schauspielern dar. «Durch Twitter mache ich einen Raum auf, einen neuen Kommunikationskanal, den nur der Zuschauer sieht und nicht der Schauspieler.»

Das Projekt des Residenztheaters beendet die Twitter-Theater-Woche, die seit dem 9. Dezember in fünf deutschen Sprechtheatern läuft. Neben dem «Resi» waren das Thalia Theater in Hamburg, das Schauspielhaus Bochum, das Deutsche Theater Berlin und das Schauspiel Hannover daran beteiligt.