Uber-Manager bringt Schmutzkampagne gegen Journalisten ins Gespräch

Der umstrittene Fahrdienst-Vermittler Uber sorgt erneut für Negativ-Schlagzeilen: Ein Top-Manager löste Empörung mit Gedankenspielen über Schmutzkampagnen gegen kritische Reporter aus.

Uber-Manager bringt Schmutzkampagne gegen Journalisten ins Gespräch
Jens Büttner Uber-Manager bringt Schmutzkampagne gegen Journalisten ins Gespräch

Emil Michael, der bei Uber für das operative Geschäft zuständig ist, dachte bei einer Veranstaltung laut darüber nach, das Privatleben von Journalisten auszuforschen. Das könne Uber helfen, gegen unliebsame Medien zu kämpfen, sagte er einem Medienbericht zufolge.

Am Dienstag entschuldigte Michael sich. «Weder ich noch mein Unternehmen würden jemals zu einem solchen Vorgehen greifen», versicherte er im Kurznachrichtendienst Twitter. Eine Sprecherin von Uber erklärte, das Unternehmen habe Journalisten nicht ausgeforscht und habe auch keine Pläne, das zu tun.

Der Sturm der Entrüstung war da jedoch bereits in vollem Gange. Diverse amerikanische Journalisten kündigten an, ihre Uber-Konten zu löschen. Für Uber ist ein gutes Verhältnis zu US-Medien, die über die Internet-Branche berichten, besonders wichtig. Das Unternehmen steckt weltweit im Grabenkampf mit dem Taxi-Gewerbe. Die Begeisterung von Startup-Reportern aus dem Silicon Valley, die früh die Taxi-Alternative ausprobierten, trug zum Aufstieg von Uber bei.

Michaels Äußerungen bei einer Veranstaltung in New York waren überhaupt erst bekanntgeworden, weil dort ein Redakteur der US-Website «Buzzfeed» anwesend war. Es war vorgesehen, dass von dem Treffen keine Zitate verbreitet werden sollten - dem «Buzzfeed»-Redakteur hatte dies allerdings niemand gesagt.

So wurde veröffentlicht, dass Michael beim Essen darüber sprach, für eine Million Dollar Spezialisten für die Ausforschung von Gegnern anzuheuern. Diese könnten kritische Reporter und ihre Familien durchleuchten und unangenehme Fakten aus deren Privatleben zu Tage fördern. Auf mögliche Probleme für Uber angesprochen, sagte Michael demnach: «Niemand würde wissen, dass wir es waren.

Namentlich erwähnte der Manager in dem Gespräch die amerikanische Blog-Gründerin Sarah Lacy, die Uber mehrfach scharf kritisiert hatte. Lacy veröffentlichte in ihrem Technologie-Blog «Pandodaily» eine Entschuldigungs-E-Mail Michaels, in der er unter anderem schrieb, er habe nur «Dampf abgelassen» und nicht von konkreten Plänen gesprochen. Nach Informationen des Blogs «Recode» gibt es bei Uber noch keine Entscheidung über die berufliche Zukunft des Managers.

Uber ist nach einer Finanzierungsrunde von 1,2 Milliarden Dollar in diesem Jahr eines der reichsten Startups und will sich laut Medienberichten bis zu zwei Milliarden Dollar mehr bei Investoren besorgen. Unter den rund 30 Geldgebern sind Google, die Bank Goldman Sachs und bekannte Startup-Finanzierer wie Kleiner Perkins. Der Fehltritt Michaels erscheint besonders peinlich, da die Firma im Sommer David Plouffe, den früheren Wahlkampfmanager von US-Präsident Barack Obama, als politischen Berater engagierte.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Uber mit rabiatem Geschäftsgebaren auffällt. Das Taxi-Gewerbe wirft dem Dienst unfairen Wettbewerb vor, weil er die Regulierungsvorschriften aushebele. Uber will stattdessen als Innovator gesehen werden, der veraltete Beschränkungen aufbricht.

Unter anderem in Deutschland setzte Uber den Dienst eine Zeit lang auch nach gerichtlichen Verboten fort. Das Technologieblog «The Verge» berichtete zudem jüngst über Pläne für eine Kampagne gegen den Konkurrenten Lyft in den USA. Lyft und Uber warfen sich gegenseitig vor, das Geschäft mit tausenden falschen Wagenbestellungen blockiert zu haben.