Udo Lindenberg soll Namenspate für Schule werden

Ist ein Sonnenbrillen tragender Rock-Sänger, der einst auch durch Alkoholexzesse auffiel, ein guter Namensgeber für eine Mittelschule? Rektor Egon Bauß ist überzeugt: «Auf jeden Fall!» Denn der berühmte Sänger stehe seit Jahrzehnten für Werte wie Toleranz, Respekt, Frieden und eine «bunte Gesellschaft».

Udo Lindenberg soll Namenspate für Schule werden
Ingo Wagner Udo Lindenberg soll Namenspate für Schule werden

Er setze sich für die Schwachen ein und wolle, dass jeder seinen eigenen Weg gehen soll und kann. «Und das tun wir auch. Und diese Werte wollen wir auch an unsere Schüler weitergeben», sagt Bauß.

Wenn alles klappt, soll die Mittelschule im fränkischen Mellrichstadt von März 2016 an Udo-Lindenberg-Schule heißen. Sie wäre damit die erste Schule in Deutschland, die sich nach dem 69-Jährigen Sänger benennt. «Lindenberg hat gesagt, dass es das erste Mal ist, dass jemand mit so einem Ansinnen zu ihm kommt.»

Die Schule ist die größte eigenständige Mittelschule im Landkreis Rhön-Grabfeld. Derzeit besuchen Bauß zufolge etwa 420 Mädchen und Jungen die Einrichtung. Seit August ist sie auch Inklusionsschule mit rund 40 Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Zudem besuchen fast 40 Flüchtlingskinder die Klassen.

Die Idee sei vor einem Jahr entstanden, weil die Schule bislang keinen eigenen Namen hat, sagt Schulleiter Bauß. Gesucht war eine Persönlichkeit, die noch lebt und zu der die Schüler einen Bezug haben. Der Konrektor, selbst großer Lindenberg-Fan, habe schließlich den Panik-Rocker als Namenspaten vorgeschlagen. Bauß räumt ein, zuerst geschluckt zu haben, aber je intensiver er sich mit dem Leben und Wirken von Lindenberg auseinandergesetzt habe, umso passender habe er die Wahl empfunden. «Viele wissen zum Beispiel gar nicht, dass er auch das Bundesverdienstkreuz hat.»

Lindenberg hat zudem eine eigene Stiftung, die sich für humanitäre und soziale Projekte in Afrika einsetzt. Erst vor einer Woche gab er in Bremen ein Konzert für Flüchtlinge und Ehrenamtliche und warb mit seinem Song «Wir werden jetzt Freunde» für Freundschaft und Toleranz.

Bürgermeister, Lehrer, Eltern und Schüler hätten der geplanten Umbenennung bereits zugestimmt, so der Rektor. Schwieriger sei es gewesen, Udo Lindenberg zu überzeugen. «Wenn er etwas macht, will er es gescheit machen und aktiv dabei sein. Und weil er derzeit wenig Zeit hat, hat er unsere erste Anfrage abgelehnt», erinnerte sich Bauß. Doch in einem persönlichen Gespräch im Sommer habe der Konrektor den Musiker doch noch überzeugen können.

Nun fehlt nur noch die Zustimmung der Regierung von Unterfranken. Noch liege kein Antrag vor, sagte ein Sprecher. «Uns ist bei solchen Umbenennungen wichtig, dass das einvernehmlich über die Bühne geht und alle an einem Strang ziehen.»

Die Umbenennung werde etwa 12 000 Euro kosten, die von der Stadt Mellrichstadt und denjenigen Gemeinden finanziert werden, die Kinder auf die Mittelschule schicken. Von diesem Donnerstag an wird zudem ein mehrere Meter hohes Selbstporträt von Lindenberg auf eine Wand der Schule gemalt. Die offizielle Namenstaufe sei bislang für den 17. März geplant.