UEFA-Chef Platini: «Ich verliere nicht gerne»

Bis zuletzt gab sich Michel Platini kämpferisch. «Ich verliere nicht gerne», sagte der Franzose jüngst in einem Interview der Zeitung «Le Monde» und formulierte philosophisch-kryptisch:

UEFA-Chef Platini: «Ich verliere nicht gerne»
Tatyana Zenkovich UEFA-Chef Platini: «Ich verliere nicht gerne»

«Jedes Mal, wenn ich mich der Sonne nähere, wie Ikarus, brennt es überall.» Der einstige Fußball-Romantiker galt lange Zeit als sportpolitischer Überflieger, dessen Weg ihn eines Tages auf den höchsten Posten im Weltfußball führen würde. Doch nun liegt die Funktionärskarriere des abgestürzten UEFA-Chefs in Schutt und Asche.

Zwar wird der 60-Jährige den juristischen Kampf vermutlich weiterführen. Durch die Acht-Jahres-Sperre aber dürfte das jähe Aus im Machtzirkel des von ihm geliebten wie geförderten Milliardengeschäfts besiegelt sein - kurz vor seiner Heim-EM.

Im stillen Kämmerlein wird sich Platini oft genug geärgert haben, dass er seinen früheren Förderer und heutigen Erzfeind wie Schicksalgenossen Joseph Blatter nicht zum Präsidentenduell im Mai herausgefordert hat. Im Lichte des Korruptionsskandals wäre ein Sieg vielleicht doch möglich gewesen. Als UEFA-Chef führte Platini den europäischen Fußball mit maximalem Expansionsdrang zu ökonomischen Topwerten. Er setzte krude wirkende Ideen wie eine EM mit 24 Teams oder ein Pan-Europa-Turnier 2020 in 13 Ländern durch.

Ab und an wirkte er für die Welt der Fußball-Anzugträger zu schnoddrig - die Haare verwuschelt, das Hemd aufgeknöpft oder die Krawatte sorglos gebunden, aber schelmisch lächelnd und schlagfertig genug, kritische Fragen mit liebenswertem Sarkasmus abzubügeln. Nun muss sich Michel Platini seine wohl heftigste Niederlage eingestehen.