UEFA-Mitglieder bekunden Treue zu Platini

Offiziell rückt die UEFA noch nicht endgültig von ihrem angeschlagenen Chef Michel Platini ab und will ihn in der größten Krise auch weiter bei seiner Kandidatur für das Amt des FIFA-Präsidenten unterstützen. Hinter den Kulissen wird jedoch längst über einen Plan B gesprochen.

UEFA-Mitglieder bekunden Treue zu Platini
Jean-Christophe Bott UEFA-Mitglieder bekunden Treue zu Platini

Nach hitzigen Debatten über die Zukunft des gesperrten UEFA-Präsidenten Michel Platini verließ DFB-Chef Wolfgang Niersbach wortlos die Zentrale der Europäischen Fußball-Union in Nyon. Die 54 Mitgliedsverbände und das Exekutivkomitee konnten sich zwar nach kontroverser Diskussion auf eine gemeinsame Position einigen. Wie groß die Halbwertszeit der Treuebekundungen sein wird, wird sich aber erst noch weisen.

«Wir unterstützen Michel Platinis Recht auf ein gerechtes Verfahren und sein Recht, seinen Namen reinzuwaschen», hieß es in einem dünnen, fünfzeiligen Statement, das UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino zu Beginn seiner fast einstündigen Pressekonferenz verlas.

Niersbach wollte sich hingegen nicht äußern, ließ der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes über einen Sprecher ausrichten. Auch Karl-Heinz Rummenigge in seiner Funktion als Vorsitzender der europäischen Club-Vereinigung ECA gab beim Verlassen des Verbandsgebäudes am Genfer See zunächst keinen Kommentar ab. Und so blieben am Ende des verregneten Donnerstagnachmittags trotz der demonstrativ vorgetragenen Unterstützung für Platini einige brisante Fragen offen.

Platini sei auch weiterhin Kandidat für das Amt des FIFA-Präsidenten, erklärte Infantino. Die UEFA-Mitglieder seien sich einig gewesen, dass die Wahl eines Nachfolgers des ebenfalls gesperrten Weltverbands-Präsidenten Joseph Blatter «nicht verschoben werden» und weiter am 26. Februar 2016 in Zürich stattfinden solle. Platini hatte kurz vor seiner Suspendierung noch fristgerecht die notwendigen fünf Unterstützerstimmen eingereicht. Um zur Wahl zugelassen zu werden, muss er aber noch eine Integritätsprüfung überstehen.

Dies scheint angesichts der im Raum stehenden Vorwürfe nur schwer vorstellbar. Es ist deshalb weiterhin möglich, dass sich die Europäer rund um das FIFA-Exekutivtreffen am kommenden Dienstag noch auf einen Ersatz-Bewerber für Platini einigen. «Was immer in den nächsten Tagen passiert, wird diskutiert werden», sagte Infantino. «Wenn jemand anders sich auftut, dann wird man sehen. Es ist jetzt zu früh, darüber etwas zu sagen.»

Am Donnerstag reichte Prinz Ali bin al-Hussein seine endgültige Bewerbung ein. Als der Jordanier Ende Mai mit einem respektablen Ergebnis Blatter unterlegen war, hatte er noch die europäische Unterstützung inne. Sollte Platini nun für die Wahl nicht zur Verfügung stehen, wird nun auch immer wieder der Name des Niederländers Michael van Praag genannt. Was der immer wieder als Kandidat für den UEFA-Vorsitz genannte Niersbach dachte und wie er sich in den Debatten verhielt und positionierte, verriet er an diesem Tag nicht.

Platini war von der FIFA-Ethikkommission für 90 Tage gesperrt worden, dennoch beruft die UEFA vorerst keinen Interimspräsidenten. Die Ethikhüter des Weltverbands und abschließend auch möglicherweise der Internationale Sportgerichtshof CAS müssten «sehr schnell» arbeiten und bis spätestens «Mitte November» eine endgültige Entscheidung über Platini treffen, erläuterte Infantino weiter.

Der 60 Jahre alte Franzose hatte für Dienste zwischen Januar 1999 und Juni 2002 erst knapp neun Jahre später vom inzwischen ebenfalls vorerst gesperrten Blatter zwei Millionen Schweizer Franken erhalten. 2011 unterstützten die UEFA-Verbände unter der Führung von Platini den Schweizer im Wahlkampf gegen den Katarer Mohamed bin Hammam, der Franzose trat selbst nicht an. Von der Schweizer Bundesanwaltschaft wird Platini als «Auskunftsperson» geführt. Sein Anwalt habe vor den europäischen Gremien die «Ansichten von Herrn Platini vertreten», berichtete Infantino, der sich aber wegen des «laufenden Verfahrens» nicht zu Inhalten äußern konnte oder wollte. «Hauptpunkt war, dass wir ein faires Verfahren haben sollten und niemanden vorverurteilen.»

Dass es unterschiedliche Meinungsäußerungen gab, dementierte Infantino nicht. Fast schon pathetisch fügte er aber an: «Bei einer Sache waren sich alle einig: Alle unterstützen Michel Platini als Person auch für die Arbeit, die er leistet als Präsident der UEFA und für den europäischen Fußball.» Fragt sich nur, wie lange noch.