UN-Klimakonferenz könnte vor historischem Durchbruch stehen

Es wäre ein historischer Durchbruch: Kurz vor dem Ende der zweiwöchigen Pariser UN-Klimakonferenz haben Gastgeber Frankreich, die EU und Umweltschützer eindringlich für ein Ja zu einem umfassenden Weltklimavertrag geworben.

Präsident François Hollande mahnte die 196 Vertragspartner in einer leidenschaftlichen Rede: «Es ist selten, dass es im Leben die Gelegenheit gibt, die Welt zu verändern. Sie haben diese Gelegenheit.»

Es wäre der erste Vertrag, mit dem sich nahezu alle Staaten auf Klimaschutz verpflichten. Demnach soll die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad begrenzt werden - wenn möglich sogar auf 1,5 Grad.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Ich bin soweit sehr zufrieden mit dem Text.» Sie sei zu 99,5 Prozent sicher, dass die Staaten zustimmen. EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete sagte: «Ich bete, dass niemand Widerspruch einlegt.»

Umweltaktivisten begrüßten den Vertragsentwurf überwiegend als wichtigen Wendepunkt, es gab aber auch kritische Stimmen. Viele forderten noch stärkere Anstrengungen für den Klimaschutz.

Der Konferenzleiter, Frankreichs Außenminister Laurent Fabius, sagte, der Entwurf sei ehrgeizig, ausgewogen und rechtlich verpflichtend. Er enthalte Fortschritte, die viele für unmöglich gehalten hätten. «Die Welt hält den Atem an und zählt auf uns alle», mahnte er. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte: «Lasst uns den Job zuende bringen.» Am frühen Abend sollten die Delegationen abschließend über den Vorschlag beraten.

Greenpeace-Experte Martin Kaiser lobte den Verweis auf das besonders von bedrohten Inselstaaten geforderte 1,5-Grad-Ziel als «ganz starkes Signal». Christoph Bals von Germanwatch meinte: «Dass sich alle auf einen Pfad zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas begeben, bedeutet einen Wendepunkt in der Klimageschichte.»

Laut Text soll der Ausstoß von Treibhausgases möglichst bald sinken. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts sollen dann nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden, als an anderer Stelle zum Beispiel von Wäldern aufgenommen werden kann - das heißt: Es sollen netto keine zusätzlichen Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen.

Treibhausgase lassen wie das Glas im Treibhaus Sonnenstrahlen bis zum Erdboden durch. Die von der Erde reflektierten Infrarotstrahlen nehmen sie jedoch auf und erwärmen so die Luft.

«Der Vertrag enthält starke Ziele, allerdings schwache Maßnahmen zur Umsetzung dieser Ziele», sagte der Chef der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, am Rande der Konferenz. Deutschland habe in Paris gut verhandelt, müsse aber nun zu Hause einiges ändern. Dazu gehöre vor allem ein schneller Ausstieg aus der Kohle.

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte eine «Diskrepanz zwischen dem in Paris vereinbarten Temperaturziel und der tatsächlichen Klimapolitik der Staaten».

Der Text sieht auch vor, die bislang nicht ausreichenden nationalen Klimaziele regelmäßig zu überprüfen und nachzubessern. Dies beginnt allerdings später als von Umweltschützern gefordert.

Knapp zwei Wochen hatten Minister und Unterhändler im Pariser Vorort Le Bourget hart um die Details des Vertrags gerungen. Zentraler Knackpunkt waren Klima-Finanzhilfen für Entwicklungsländer. «Die Industrieländer haben erfolgreich alle Forderungen nach konkreten Verpflichtungen im neuen Abkommen abgewehrt», kritisierte Oxfam. Allerdings gibt es im Vorschlag für eine separate Entscheidung die Zusicherung, dass die bereits versprochenen 100 Milliarden US-Dollar Finanzhilfe ab 2020 künftig den «Boden» darstellten.