UN-Konferenz berät über Katastrophenvorsorge

Vor dem Hintergrund der verheerenden Zerstörungen im südpazifischen Inselstaat Vanuatu durch den Zyklon «Pam» verlangen die Vereinten Nationen deutlich größere Investitionen in die Katastrophenvorsorge.

«Der Klimawandel intensiviert die Risiken für Hunderte Millionen von Menschen», warnte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Samstag zum Auftakt einer fünftägigen UN-Weltkonferenz im japanischen Sendai.

Der Präsident Vanuatus, Baldwin Lonsdale, rief in Sendai zu verstärkter Hilfe auf. Naturkatastrophen könnten «Jahre der Entwicklung zunichtemachen». Gastgeber Japan kündigte an, über die nächsten vier Jahre hinweg vier Milliarden Dollar (3,8 Milliarden Euro) für das globale Krisenmanagement bereitstellen zu wollen.

Ziel der Konferenz ist ein neues UN-Rahmenwerk zur Risikoreduzierung von Naturkatastrophen mit einer Laufzeit von 15 Jahren. Ein derzeitiger Aktionsplan namens Hyogo Framework for Action läuft in diesem Jahr aus. Kritiker äußerten jedoch zum Auftakt Zweifel an kommenden Vereinbarung. Es sei zu befürchten, dass die Ärmsten nicht ausreichend geschützt werden, warnte Michelle Higelin von der Hilfsorganisation ActionAid. Zyklon «Pam» sei eine Warnung.

«Die Folgen des Klimawandels sind bereits heute allgegenwärtig. Fluten, Überschwemmungen oder Dürren gefährden die Existenz und das Leben von Millionen von Menschen, verschärfen Armut und verhindern nachhaltige Entwicklung», sagte der Parlamentarische Staatssekretär vom Bundesentwicklungsministerium, Thomas Silberhorn. «Unser Ziel ist es, durch Prävention und Vorsorge die Widerstandsfähigkeit der gefährdeten Menschen zu stärken.» Katastrophenvorsorge zahle sich aus. «Jeder Euro, den wir in Frühwarnung und Prävention investieren, kann Menschenleben retten und spart bis zu vier Euro, die im Wiederaufbau nach Katastrophen investiert werden müssten.» Das Ministerium will jährlich mindestens 15 Millionen Euro in das Katastrophenrisikomanagement seiner Partnerländer zu investieren.

Auf der Konferenz werde es jedoch nicht darum gehen, konkret festzulegen, wer wann wie viel zur Verfügung stellt, sagte der Co-Leiter der deutschen Delegation, Christoph Strässer, der Deutschen Presse-Agentur in Sendai. Es gehe vielmehr um eine neue globale Strategie und Instrumente zur Risikoreduzierung. Die am schwersten betroffenen armen Länder würden ein «sehr deutliches Signal» bekommen, «dass die Krisenvorsorge eine internationale Aufgabe ist.»

Nach UN-Angaben belaufen sich die wirtschaftlichen Verluste durch Katastrophen wie Stürme, Erdbeben, Tsunamis und Überschwemmungen jedes Jahr schon jetzt auf schätzungsweise 250 bis 300 Milliarden Dollar und dürften sich in Zukunft weiter erhöhen. Dies zeige, wie wichtig Investitionen in die Vorsorge sei. «Wir können zuschauen, wie diese Zahl wächst und mehr Menschen leiden. Oder wir können diese Zahl dramatisch reduzieren und die Einsparungen nutzen, um sie in die Entwicklung zu investieren», sagte Ban Ki Moon.

Japan wolle helfen, 40 000 Menschen in aller Welt in Katastrophenschutz- und Wiederaufbau-Maßnahmen auszubilden, sagte der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe vor den rund 6000 Delegierten aus mehr als 180 Ländern. Wichtig sei auch die Beteiligung der Zivilgesellschaft, insbesondere der Frauen, bei der Ausarbeitung von Vorsorgemaßnahmen gegen Katastrophen.

90 Prozent der Opfer gibt es Abe zufolge in ärmeren Ländern. Daher müsse es auch um nachhaltiges Wirtschaftswachstum und Anpassungen an den Klimawandel gehen. «Insbesondere in Entwicklungsländern unterminieren die Intensität und steigende Anzahl von Katastrophen häufig jahrzehntelange Entwicklungsbemühungen», sagte Strässer. In den vergangenen 20 Jahren hätten sich die Naturkatastrophen von 200 auf 400 pro Jahr verdoppelt. Experten sehen die Konferenz als einen Auftakt zu einer Reihe von globalen Weichenstellungen für die Klima- und Entwicklungspolitik in diesem Jahr.