UN: Mehr als drei Millionen syrische Kinder auf der Flucht

Im syrischen Bürgerkrieg sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen mittlerweile mehr als drei Millionen Kinder auf der Flucht. Ein Drittel von ihnen habe das stark zerstörte Land verlassen.

UN: Mehr als drei Millionen syrische Kinder auf der Flucht
Kamal Akrayi UN: Mehr als drei Millionen syrische Kinder auf der Flucht

Diese Zahl sei «ein Meilenstein der Schande», erklärten das Kinderhilfswerk Unicef und das Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Viele Kinder seien traumatisiert, deprimiert und ohne Hoffnung. Nach Berichten über einen neuen Giftgaseinsatz in Syrien wächst unterdessen der Druck auf US-Präsident Barack Obama, militärisch einzugreifen.

Die meisten minderjährigen Flüchtlinge haben eine Bleibe in den Nachbarländern Libanon, Jordanien, Türkei, Irak oder auch in Ägypten gefunden. «Wir sprechen von Kindern, die von ihrem Zuhause fortgerissen wurden, vielleicht von ihrer Familie. Sie sehen sich Schrecken gegenüber, die wir gar nicht nachvollziehen können», sagte Unicef-Chef Anthony Lake. Die meisten der ins Ausland geflohenen Kinder sind jünger als elf Jahre. Auch in Europa wachse die Zahl der syrischen Flüchtlinge.

Innerhalb des Bürgerkriegslandes sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als zwei Millionen Kinder auf der Flucht. Das Flüchtlingshilfswerk unterscheidet zwischen Flüchtlingen im Ausland und Menschen, die innerhalb des eigenen Landes vor dem Bürgerkrieg geflohen sind.

Nach Ansicht der Hilfsorganisation Medico International ist eine angemessene medizinische Versorgung der Menschen in Syrien nicht möglich. Medico-Sprecher Martin Glasenapp sagte dem Hessischen Rundfunk (HR): «Es werden Medikamente benötigt, vor allem in den direkt umkämpften Gebieten. Es wird aber auch mehr und mehr Nahrungsmittelhilfe nötig sein.» Von 23 Millionen Syrern seien mittlerweile zwei Millionen ins Ausland oder in die benachbarten Länder geflohen, innerhalb Syriens seien insgesamt fünf Millionen Menschen unterwegs.

Die US-Regierung reagierte zurückhaltend auf jüngste Berichte, wonach das Regime von Baschar al-Assad am Mittwoch bei Damaskus Hunderte Menschen mit Giftgas getötet haben soll. Zwar meinte das State Department, ein Einsatz von Chemiewaffen wäre eine «empörende und abscheuliche Eskalation» im syrischen Bürgerkrieg. Doch die Sprecherin des Außenministeriums, Jen Psaki, legte sich nicht fest, ob die Massenvernichtungswaffe tatsächlich eingesetzt wurde. Sie bekräftigte die US-Forderung nach einer internationalen Überprüfung. Die Regierung in Damaskus bestreitet den Einsatz von Giftgas.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die syrische Regierung auf, den Chemiewaffen-Inspekteuren Zugang zu den betroffenen Orten zu gewähren. Die Experten halten sich gegenwärtig in Damaskus auf, um ältere Vorfälle dieser Art zu überprüfen. Es ist weiter völlig unklar, ob bei dem jüngsten Vorfall Sarin oder ein anderes hochtoxisches Nervengas eingesetzt wurde.

Nach Einschätzung des Chefs der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, sollte Russland als Unterstützer des Assad-Regimes von den USA wieder stärker eingebunden werden. «In dieser Lage muss zwischen Moskau und Washington geredet werden, auch wenn das vielleicht innenpolitisch nicht sonderlich populär ist», sagte Ischinger am Freitag im Deutschlandfunk.

Der einflussreiche US-Senator John McCain forderte Präsident Obama auf, nach dem mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Syrien nicht länger zu zögern. Die USA seien in der Lage, durch Raketen die 40 bis 50 im Bürgerkrieg eingesetzten Flugzeuge der syrischen Streitkräfte zu zerstören, sagte der frühere republikanische Präsidentschaftsbewerber. Ein Militäreinsatz wäre daher mit «geringen Kosten» verbunden, US-Soldaten würden nicht gefährdet.