UNAIDS fordert gezielteren Kampf gegen HIV-Ausbreitung

Im weltweiten Kampf gegen Aids gibt es ungeachtet großer Erfolge auch herbe Rückschläge. So sind die Neuinfektionen mit dem Erreger HIV in Ost- und Zentraleuropa laut UN-Angaben vom Mittwoch seit 2001 um 13 Prozent angestiegen.

Im Nahen Osten und in Nordafrika hätten sie sich in diesem Zeitraum sogar verdoppelt, erklärte der Direktor des UN-Programms zur Aids-Bekämpfung (UNAIDS), Michel Sidibé, am Mittwoch in Genf.

Größere Anstrengungen als bisher seien nötig, um HIV und Aids in den am stärksten betroffenen Ländern und Regionen zurückzudrängen. «Jeder einzelne Mensch zählt», sagte Sidibé bei der Vorstellung eines Berichtes zum Welt-Aids-Tag (1. Dezember). Zu den Problemen gehöre das oft sehr unterschiedliche Vorgehen in verschiedenen Regionen. So gebe es in Ostasien kaum finanzielle Unterstützung für zielgerichtete Maßnahmen zur Aids-Bekämpfung unter Schwulen.

Zudem müssten Daten zu HIV-Infektionen und zur medizinischen Versorgung zielgerichteter erhoben und für entsprechende Hilfsaktionen ausgewertet werden, fordert UNAIDS. Anders ließe sich nach Ansicht der Experten das UN-Ziel kaum erreichen, die Zahl der mit antiretroviralen Medikamenten behandelten HIV-Infizierten von derzeit knapp 10 Millionen bis 2015 auf 15 Millionen zu erhöhen.

Fortschritte bei der Eindämmung des HI-Virus und der dadurch verursachten Immunschwächekrankheit Aids seien «ungleich verteilt und in manchen Orten viel zu langsam», heißt es in dem Bericht. Für Aids-Bekämpfer könne daher «das Mantra von Immobilienmaklern - "Location, Location, Location" - der Schlüssel zu einem deutlich verbesserten Vorgehen gegen HIV» sein.

Trotz globaler Erfolge ist der Mangel an gezielten Programmen laut UNAIDS besonders gravierend in weiten Teilen Afrikas. In den Ländern der riesigen Region südlich der Sahara gab es demnach im vergangenen Jahr rund 70 Prozent aller weltweiten HIV-Neuinfektionen. Zugleich entfielen etwa 72 Prozent aller Aids-Todesfälle auf die Region.

Insgesamt lebten 2012 laut dem im September veröffentlichten UNAIDS-Jahresbericht 35,3 Millionen Menschen mit dem Aidserreger im Blut. Etwa 36 Millionen Menschen sind seit Beginn der Epidemie vor mehr als drei Jahrzehnten an Aids oder damit zusammenhängenden Krankheiten gestorben. Weltweit ging die Zahl der Neuinfektionen den Statistiken zufolge seit 2001 um 33 Prozent zurück.

Die Problemlage sei aber alles andere als einheitlich, sondern von Land zu Land, oft von Region zu Region, sehr unterschiedlich. So liege die HIV-Rate unter der Bevölkerung der Kapverden in Westafrika nur bei 0,4 Prozent, während sie im südafrikanischen Swasiland bis zu 28 Prozent betrage. In Asien seien 90 Prozent aller neuen Ansteckungen auf nur fünf Länder konzentriert. Und 90 Prozent der HIV-Infektionen in der Region Osteuropa/Zentralasien entfielen allein auf Russland und die Ukraine.