Und wieder führt eine Spur nach Belgien

Es dauerte keine 24 Stunden, bis klar war: Auch nach den Terrorschlägen von Paris führt wieder eine der Spuren nach Belgien.

Und wieder führt eine Spur nach Belgien
Olivier Hoslet Und wieder führt eine Spur nach Belgien

Schwerbewaffnete Polizisten durchsuchten am Samstag stundenlang Wohnungen in der als Islamistenhochburg bekannten Brüsseler Gemeinde Molenbeek und nahmen sieben Personen fest.

Inzwischen ist bekannt, dass mindestens einer der getöteten Attentäter von Paris dort zuletzt gelebt - ein zweiter in einem anderen Stadtteil der EU-Hauptstadt.

Für das gerade einmal elf Millionen Einwohner zählende Königreich ist die Verbindung der Attentäter nach Belgien ein Schock - wenn es auch manche Vorzeichen gab. Bereits nach dem Anschlagsversuch auf den Thalys-Hochgeschwindigkeitszug im August und den Pariser Anschlägen auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» und einen koscheren Supermarkt im Januar führten Spuren in den Großraum Brüssel. Im Mai 2014 hatte ein französischer Islamist im Jüdischen Museum in Brüssel vier Menschen erschossen. Auch er lebte kurz vor der Tat in Molenbeek.

«Ich stelle fest, dass es fast immer eine Verbindung nach Molenbeek gibt, dass es dort ein gigantisches Problem gibt», räumte Premierminister Charles Michel ein. In den vergangenen Monaten habe es im Kampf gegen die Radikalisierung zahlreiche Initiativen gegeben, offensichtlich brauche es aber nun mehr Druck.

Wie der genau aussehen soll, ist allerdings unklar. Mit einer Arbeitslosenquote von rund 30 Prozent und einem hohen Anteil kaum integrierter muslimischer Einwanderer gilt Molenbeek seit Jahren als Problemstadtteil mit einer kaum zugänglichen Parallelgesellschaft. Entwicklungsversuche zeigten bislang kaum sichtbare Wirkung. Bis die Anti-Radikalisierungsprogramme echte Erfolge zeigen könnten, dauere es nun mal Jahre, rechtfertige sich am Wochenende Molenbeeks Bürgermeisterin Françoise Schepmans.

Warum Belgien ein so großes Problem mit radikalen Islamisten hat? Einen Erklärungsversuch unternahm bereits im Sommer der belgische Senator Alain Destexhe. «Im Namen der Religionsfreiheit und der Multikulturalität haben es die belgischen Behörden radikalen Gruppen viel zu lange erlaubt, sich zu entwickeln», schrieb er in einem Beitrag für die französische Tageszeitung «Le Figaro». Den wenigen Kritikern seien Stigmatisierungsversuche oder Islamophobie vorgeworfen worden.

Ein Ergebnis dieser Politik sei, dass aus keinem anderen EU-Land relativ gesehen so viele Menschen in den Bürgerkrieg in Syrien zögen wie aus Belgien, merkte Destexhe an. Nach Schätzungen von Sicherheitsbehörden stammten zuletzt rund 500 Kämpfer in dem Krisengebiet aus dem Königreich.