Ungarn baut weiteren Grenzzaun

Ungarn verstärkt seine Abschottung gegen Flüchtlinge und zieht nun auch an der Grenze zu Kroatien einen Zaun hoch. «Letzte Nacht wurde mit dem Bau des Zauns an der kroatischen Grenze begonnen», sagte Ministerpräsident Viktor Orban im staatlichen Rundfunk.

Wegen sogenannter Masseneinwanderung dehnte die Regierung zudem den Notstand auf vier weitere Gebiete im Süden des Landes aus. Der Flüchtlingsnotstand gilt nun auch für die Bezirke Baranya, Somogy, Zala und Vas. Dies geht aus einer Verordnung hervor, die am Freitag im Amtsblatt veröffentlicht wurde.

Der ungarische Außenminister Peter Szijjarto hatte bereits am Donnerstagabend die Ausweitung des Krisenfalls angekündigt, dabei aber nur die Bezirke Baranya und Somogy erwähnt. Im Krisenfall sind die Behörden zu besonderen Maßnahmen gegen Flüchtlinge ermächtigt.

Bereits am vergangenen Dienstag hatte die Regierung den Krisenfall für die beiden Bezirke Bacs-Kiskun und Csongrad ausgerufen, die an der Grenze zu Serbien liegen. Die vier Bezirke, auf die die Notstandsmaßnahmen jetzt ausgedehnt wurden, liegen an den Grenzen zu Kroatien, Slowenien und Österreich.

Wie Orban weiter sagte, baut Ungarn den neuen Zaun an einem 41 Kilometer langen Abschnitt seiner Grenze zu Kroatien. 600 Soldaten hätten in der Nacht zum Freitag mit den Arbeiten begonnen, fügte er hinzu. An der 175 Kilometer langen Grenze zu Serbien steht bereits in voller Länge eine Sperranlage.

Die komplette Abschottung der Grenze zu Serbien am vergangenen Dienstag hatte dazu geführt, dass Tausende Flüchtlinge nun neue Wege nach Westeuropa suchen. Diese führen vor allem über Kroatien, das schon nach zwei Tagen durch den Andrang überfordert ist. Die meisten Menschen wollen von dort aus über Slowenien nach Österreich gelangen. Doch knapp 500 Flüchtlinge kamen am Donnerstag nach ungarischen Polizeiangaben aus Kroatien auch nach Ungarn, das gleichfalls an Österreich grenzt.