Ungarn macht Grenzen wieder dicht

Nach Schließung der 300 Kilometer langen Grenze zwischen den beiden EU-Mitgliedern Ungarn und Kroatien werden Flüchtlinge über Slowenien umgeleitet. Die ersten 1500 Menschen wurden vom kroatischen Tovarnik an der Grenze zu Serbien in Richtung Slowenien transportiert, berichteten die Behörden.

Knapp 1000 seien inzwischen in Slowenien angekommen, hieß es weiter. Mehrere Hundert von ihnen seien bereits über den Grenzübergang Spielfeld in das österreichische Bundesland Steiermark weitergeleitet worden.

Ungarn hatte am frühen Morgen mit einem massiven Polizeiaufgebot seine Grenze zu Kroatien abgesperrt. Der illegale Grenzübertritt ist für Flüchtlinge nun auch auf diesem Abschnitt strafbar. Nach Angaben des kroatischen Innenministeriums wurden allein in den vergangenen vier Wochen 140 000 Menschen zur ungarischen Grenze gebracht. Schon vor einem Monat hatte Budapest die rund 175 Kilometer lange Grenze zu Serbien mit einem Grenzzaun abgeriegelt.

Außerdem führte die ungarische Regierung vorübergehende Kontrollen an der Grenze zum Nachbarland Sloweneien ein, um eine Einreise von Flüchtlingen und Migranten zu verhindern. Hintergrund: Die Reise aus dem östlichen Teil Sloweniens in Richtung Österreich über den Umweg Ungarn kann wegen der günstigeren Straßen- und Autobahnverbindungen attraktiv erscheinen.

Die EU-Mitglieder Ungarn und Slowenien traten anders als Kroatien bereits dem Schengen-Abkommen für einen freien Reiseverkehr zwischen den Mitgliedsländern bei. Deshalb wird Ungarn nach den Worten von Außenminister Peter Szijjarto keinen Grenzzaun zu Slowenien errichten.

In der slowenischen Hauptstadt Ljubljana tagten die Spitzenpolitiker des Landes pausenlos, um eine Antwort auf den jetzt zu erwartenden Flüchtlingsansturm zu finden. Nach Angaben der Behörden kann das Alpen-Adria-Land täglich rund 5000 Menschen problemlos nach Österreich durchschleusen.

Da es sich bei der Grenze Sloweniens zu Kroatien um eine Außengrenze des visafreien Schengen-Raumes handelt, hinter der der freie Reiseverkehr gilt, sollen alle hier eintreffenden Flüchtlinge registriert werden.

Die neue Balkanroute aus Richtung der Türkei, Mazedonien, Serbien und Kroatien sieht jetzt so aus: Von der kroatischen Gemeinde Tovarnik an der Grenze zu Serbien werden die Flüchtlinge mit Zügen und Bussen an die beiden Übergänge Macelj und Mursko Sredisce gebracht.

Dort werden sie von den slowenischen Behörden in Empfang genommen, registriert und zum österreichischen Grenzübergang Spielfeld weitergeleitet. Die meisten von ihnen wollen nach Deutschland. Allein in den vergangenen vier Wochen habe Kroatien über 190 000 Flüchtlinge in diese Richtung transportiert, teilte das Innenministerium am Samstag in Zagreb mit.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief dazu auf, Flüchtlinge und Migranten mit Würde und Respekt zu behandeln. Es gebe keine Krise der Zahlen, sondern eine Krise des Mitgefühls, sagte Ban nach Angaben seines Sprechers am Samstag in Rom. «Wir sind eine Familie, und es ist an der Zeit für weltweite Solidarität.»