Union und SPD wollen Löhne von Frauen und Männern angleichen

Union und SPD wollen in einer großen Koalition die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern abbauen. Verbindliche Regeln sollen Firmen verpflichten, Entgeltunterschiede offenzulegen und Ungerechtigkeiten auszuräumen. Ohne kooperative Tarifpartner wird das kaum gehen.

Union und SPD wollen Löhne von Frauen und Männern angleichen
Paul Zinken Union und SPD wollen Löhne von Frauen und Männern angleichen

Die Unterhändler der Arbeitsgruppe Frauen und Familie verständigten sich in der Nacht zu Samstag auf gesetzliche Regelungen, um eine Entgeltgleichheit durchzusetzen. Der Stundenverdienst von Frauen in Deutschland war im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt im Schnitt 22 Prozent niedriger als der von Männern.

Den Plänen von Union und SPD zufolge sollen Arbeitnehmer künftig einen individuellen Anspruch auf Auskünfte über Gehaltsunterschiede eingeräumt bekommen. Die Tarifpartner sollen im Falle einer großen Koalition zum Abbau von Lohnungerechtigkeiten zwischen Mann und Frau per Gesetz verpflichtet werden. Die Tarifkommissionen müssen ausgewogen mit Männern und Frauen besetzt sein.

Unternehmen, die der Mitbestimmung unterliegen, sowie der öffentliche Dienst sollen anonymisierte Entgeltberichte intern veröffentlichen - nicht auf freiwilliger, sondern auf verpflichtender Grundlage. Außerdem planen Union und SPD, eine Dokumentationspflicht über die Bemühungen zur Entgeltgleichheit in Tarifverhandlungen einzuführen.

Mit den Tarifpartnern will die Politik außerdem Berufsfelder sowie die Bewertung von Fähigkeiten, Erfahrungen und Kompetenzen neu definieren. Ziel soll sein, unter anderem die Arbeit in Pflege, Betreuung und frühkindlicher Bildung weiter aufzuwerten - auch in der Bezahlung.

SPD-Vize Manuela Schwesig sprach von einem «Meilenstein» für die Gleichstellung in der Arbeitswelt. «Frauen verdienen im Durchschnitt fast ein Viertel weniger als Männer. Es ist höchste Zeit, diese Ungerechtigkeit zu beenden.» Unions-Verhandlungsführerin Annette Widmann-Mauz (CDU) betonte, typische Frauenberufe seien noch immer schlecht bezahlt. Um dies zu ändern, «müssen wir gemeinsam mit den Tarifparteien zu einer Neubewertung dieser typischen Frauenberufe kommen», sagte sie der dpa. Die künftige Transparenzpflicht für große Unternehmen schaffe die Grundlage dafür, dass in der Wirtschaft konkrete Schritte zur Entgeltgleichheit gegangen werden.

Hintergrund der Verdienstunterschiede ist vor allem, dass Frauen und Männer oft in unterschiedlichen Branchen tätig sind und Männer häufiger besser bezahlte Führungspositionen ausüben. Frauen haben öfter als Männer Teilzeitjobs und sind geringfügig beschäftigt. Wenn man solche «arbeitsplatzrelevanten Merkmale» ausblendet, ist die Differenz kleiner. Bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit verdienten Frauen laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr pro Stunde durchschnittlich sieben Prozent weniger als Männer.

Auf die Lücke in den Gehältern zwischen Mann und Frau macht in Deutschland seit 2008 der Verein Business and Professional Women (BPW) mit dem «Equal Pay Day» aufmerksam. Das Datum des Aktionstags soll den Zeitraum verdeutlichen, den Frauen über das Jahresende hinaus arbeiten müssen, um auf das Vorjahresgehalt ihrer Kollegen zu kommen. 2014 findet der Equal Pay Day am 21. März statt.