Universität will Plagiatsvorwürfe gegen Steinmeier schnell prüfen

Nach den Plagiatsvorwürfen gegen SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier will die Universität Gießen die Doktorarbeit zügig überprüfen. Das Verfahren werde nur wenige Wochen dauern, sagte Uni-Präsident Joybrato Mukherjee am Montag.

Steinmeier hatte die Universität zuvor um die «förmliche Überprüfung» der gegen ihn gerichteten Plagiatsvorwürfe gebeten. Das Magazin «Focus» hatte am Wochenende unter Berufung auf den Dortmunder Wirtschaftswissenschaftler Uwe Kamenz gemeldet, Steinmeiers Promotion weise «umfangreiche Plagiatsindizien» auf. Der SPD-Politiker wies dies als «absurd» zurück.

Mit Steinmeier sieht sich erstmals ein führender SPD-Politiker mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Der 57-Jährige wurde 1991 mit seiner Arbeit zum Thema «Tradition und Perspektiven staatlicher Intervention zur Verhinderung und Beseitigung von Obdachlosigkeit» promoviert.

Uni-Präsident Mukherjee betonte, es sei auch im Sinne des Betroffenen, dass eine Klärung nach wissenschaftlichen Kriterien zweifelsfrei herbeigeführt werde. «Darauf hat er einen Anspruch, zumal in diesem Fall der Betroffene ein hoch angesehener Alumnus dieser Universität ist.» Das Verfahren beginnt nun mit einer Vorprüfung durch einen Ombudsmann.

Steinmeier kündigte am Montag auch an, die Fachhochschule Dortmund um Auskunft zu Zahlungen an den Urheber der Vorwürfe, Kamenz, zu bitten. Die «Süddeutsche Zeitung» hatte berichtet, dass «Focus» Kamenz finanziell unterstütze. Ein «Focus»-Sprecher sagte, sein Magazin habe Kamenz zwei Mal einen dreistelligen Euro-Betrag als Aufwandsentschädigung für das Digitalisieren von Büchern zukommen lassen - aber völlig losgelöst von der Überprüfung der Doktorarbeit.

Unter Plagiatsexperten sind die Vorwürfe nach erster Prüfung hoch umstritten. Der im Umgang mit Plagiaten erfahrene Berliner Jura-Professor Gerhard Dannemann sagte dem Onlineportal der «Süddeutschen Zeitung», man könne nicht ein Computerprogramm entscheiden lassen, was ein Plagiat sei. Dannemann spricht von drei Stellen in Steinmeiers Dissertation, die problematisch seien, das meiste seien eher kleinere Ungereimtheiten.

Plagiatsvorwürfe haben eine ganze Reihe von Politikern zu Fall gebracht - etwa den damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Silvana Koch-Mehrin (FDP) und Ex-Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Schavan klagt gegen den Entzug ihres Doktortitels. Die Ruhr-Universität Bochum überprüft derzeit die Dissertation von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU).