Unruhen im Südsudan weiten sich aus

Im Südsudan haben sich die schweren Unruhen von der Hauptstadt Juba auf andere Landesteile ausgeweitet. Mehrere Hundert Menschen sollen in den vergangenen Tagen ums Leben gekommen sein, weitere 300 wurden nach Angaben des Roten Kreuzes in Krankenhäusern behandelt.

Präsident Salva Kiir wirft seinem ehemaligen Stellvertreter Riek Machar vor, die Regierung stürzen zu wollen. Der vielschichtige Konflikt hat auch ethnische Dimensionen. Experten warnen vor einem neuen Bürgerkrieg in dem jungen Land, das sich erst 2011 vom Nachbarn Sudan abgespalten hatte.

Der im Juli vom Präsidenten entmachtete Machar wies die Vorwürfe zurück, die Ausschreitungen angezettelt zu haben. «Das war kein Putschversuch, und ich habe damit nichts zu tun», sagte der Politiker der Zeitung «Sudan Tribune». Machar will bei den Präsidentschaftswahlen 2015 als Kiirs Gegenkandidat antreten. Gleichzeitig kritisierte Machar den zunehmend autokratischen Führungsstil des Staatschefs. «Wir wollen ihn nicht mehr als Präsidenten des Südsudans.»

In Juba entspannte sich die Lage am Mittwoch. «Obwohl es seit Sonntag der bisher ruhigste Tag ist, geht die Krise weiter, denn jetzt wird in anderen Teilen des Landes gekämpft», sagte der Sprecher der UN-Friedensmission UNMISS, Joseph Contreras. Er fügte hinzu, dass bereits 16 500 Menschen auf dem Gelände der Vereinten Nationen Zuflucht gesucht hätten.

Derweil waren am Morgen im östlichen Bundesstaat Jonglei Schusswechsel zu hören. Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass zahlreiche Bürger in den umliegenden Busch geflüchtet seien. Andere brachten sich auf einem UN-Gelände in Sicherheit.

Eine Gruppe Soldaten, die gegen die Regierung von Kiir ist, habe den Flughafen in der Stadt Bor - der Hauptstadt von Jonglei - unter Kontrolle gebracht, hieß es. «Die Rebellen haben Militärkasernen und den Airport eingenommen», berichtete der örtliche Journalist Jacob Jok. «Wir verstecken uns im Busch, nördlich der Stadt.»

Die Gewalt soll in Zusammenhang mit den Unruhen in Juba stehen. Beobachter erklärten, die Ausschreitungen hätten sowohl politische als auch ethnische Hintergründe. In Jonglei leben mehrere verfeindete Volksgruppen, die sich immer wieder gegenseitig attackieren.

UN-Angaben zufolge könnte es in dem Krisenland in den vergangenen Tagen bereits mehrere Hundert Tote gegeben haben. Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates seien «ernsthaft besorgt», hieß es in New York. Der für Friedenseinsätze zuständige Untergeneralsekretär Herve Ladsous soll dem Gremium hinter verschlossenen Türen von 400 bis 500 Toten berichtet haben. Die Zahlen wollte der französische UN-Botschafter und derzeitige Sicherheitsratsvorsitzende Gerard Araud aber zunächst nicht bestätigen.