Ursache für Zugunglück in Bayern ist menschliches Versagen

Die Ursache für das schwere Zugunglück in Bayern ist nach ersten Ermittlungen «menschliches Versagen». Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus zuverlässiger Quelle. Wer genau für das Unglück verantwortlich zu machen ist, war zunächst nicht bekannt. Zuvor hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet.

Es ist das schwerste Zugunglück in Deutschland seit mehr als 40 Jahren. Dabei kamen im oberbayerischen Bad Aibling mindestens zehn Menschen ums Leben. Aus zunächst ungeklärter Ursache krachten zwei Nahverkehrszüge auf der eingleisigen Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim frontal ineinander. 18 Menschen wurden schwer, 63 Reisende leicht verletzt. Außerdem wurde noch eine Person vermisst, wie die Polizei mitteilte.

Trauer herrschte nicht nur in der Region, bis in die Politik hinein sendete das Unglück seine Schockwellen: Am Nachmittag entschieden sich die Parteien, auf den traditionsreichen Politischen Aschermittwoch in Bayern zu verzichten. Auch Bundespräsident Joachim Gauck, der sich in Nigeria aufhält, zeigte sich bestürzt über die Tragödie.

Als die Züge am Morgen gegen 6.45 Uhr zusammenstießen und sich die Triebwagen ineinander verkeilten, entgleiste einer der Züge und mehrere Waggons kippten zur Seite. «Der eine Zug hat sich förmlich in den anderen hineingebohrt und die Kabine des zweiten Zuges komplett auseinandergerissen», berichtete Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sichtlich betroffen vor Journalisten. «Das sind Bilder, die einen natürlich auch sehr stark emotional belasten, weil man sich nicht vorstellen kann, dass solche Unglücke auch bei uns vorkommen können.»

Die Ursache für den Unfall auf der auch Mangfalltalbahn genannten Strecke blieb zunächst unklar. Sie wird mit Hilfe des «Punktförmigen Zugbeeinflussungssystems» kontrolliert - «ein System, das automatisch dafür sorgen soll, dass das Aufeinandertreffen von Zügen nicht stattfindet, indem Züge zwangsgebremst werden, wenn sie unberechtigt auf einer Strecke sind, Signale überfahren oder Ähnliches», sagte Dobrindt. Auf der Unfallstrecke war das System erst in der vergangenen Woche kontrolliert worden - alles schien einwandfrei.

Zu einem Bericht des RedaktionsNetzwerks Deutschland, dem mehr als 30 Tageszeitungen angehören, wonach menschliches Versagen das Unglück ausgelöst haben könnte, wollten sich die Ermittler am Abend nicht äußern. Die Ermittlungen zur Unglücksursache benötigten Zeit, betonte ein Polizeisprecher. «Zur Ursache können und werden wir uns jetzt nicht äußern.»

Die Rettungs- und Bergungsarbeiten gestalteten sich extrem schwierig, weil die Unglücksstelle in einem Waldstück an einer Hangkante neben dem Flüsschen Mangfall liegt. Am Mittwoch soll damit begonnen werden, die Zugwracks mit schwerem Gerät zu entfernen.

Rund 700 Rettungskräfte kümmerten sich um die Verletzten. Helikopter brachten die Schwerverletzten in Krankenhäuser, wo sämtliche geplanten Operationen sofort abgesagt wurden, um Kapazitäten für die Versorgung der Opfer zu schaffen. Wasserwacht und Bergwacht waren ebenfalls im Einsatz. Zum Teil zogen die überwiegend ehrenamtlichen Helfer die Opfer auch in Bergungssäcken mit Winden an den Hubschraubern hoch und flogen sie an das andere Ufer der Mangfall.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich tief betroffen: «In Gedanken bin ich auch bei den zahlreichen Verletzten, die mit den Folgen des Unglücks ringen», sagte sie. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin und der französische Premierminister Manuel Valls bekundeten ihr Mitgefühl. Die beiden großen Kirchen in Deutschland erbaten «Gottes Beistand und Trost».

Aus Respekt vor den Opfern sagten die Parteien den Politischen Aschermittwoch ab. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), der die Unglücksstelle am Mittwoch besuchen will, betonte: «Das ist eine Tragödie für unser ganzes Land, die uns mit Trauer und Entsetzen erfüllt.» Der SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold sagte: «Der Politische Aschermittwoch lebt von der Auseinandersetzung und dem Schlagabtausch der Parteien. Dafür ist heute und morgen kein Raum.»

Bei aller Trauer war den Rettern schnell klar, dass das Unglück sogar noch schlimmer hätte ausfallen können. Denn wegen der Faschingsferien in Bayern saßen in den Zügen am Morgen weniger Pendler als sonst - und vor allen Dingen keine Schüler.

Die 37 Kilometer lange Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim wurde nach dem Unglück komplett gesperrt. Wann die Strecke wieder geöffnet werden kann, blieb zunächst unklar. Die Bergung der Trümmer wird aber wohl mehrere Tage in Anspruch nehmen.

Das Unglück soll auch Thema im Bundestag werden - der Verkehrsausschuss wird sich voraussichtlich bereits in der nächsten Sitzungswoche damit beschäftigen. «Es ist klar, dass alles getan wird, um das restlos aufzuklären», sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Schließlich müssten Konsequenzen für die Zukunft gezogen werden.

Es ist das schlimmste Zugunglück in Deutschland seit Januar 2011. Damals starben zehn Menschen, als ein Nahverkehrszug bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt mit einem Güterzug zusammenstieß. In Bayern gab es ein noch schlimmeres Unglück im Jahr 1975, als bei Warngau zwei Eilzüge frontal zusammenstießen und 41 Menschen starben.