Urteil gegen Eltern von tödlich misshandelter Yagmur erwartet

Fast ein Jahr nach dem qualvollen Tod der dreijährigen Yagmur aus Hamburg will das Landgericht heute sein Urteil gegen die angeklagten Eltern verkünden. Für die 27 Jahre alte Mutter hat die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes gefordert.

Die Vertreterin der Anklage hatte in ihrem Plädoyer die Grausamkeit der Tat hervorgehoben. Sie verlangte zudem, die besondere Schwere der Schuld festzustellen - damit wäre eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen.

Der Vater soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft sechs Jahre in Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen. Er habe das Kind nicht vor seiner «hochaggressiven Frau» geschützt.

Kurz vor Weihnachten 2013 war die Dreijährige in der Wohnung ihrer Eltern nach einem Leberriss innerlich verblutet. Bei der Obduktion wurden zudem mehr als 80 Hämatome und Quetschungen sowie ein schlecht verheilter Bruch des Unterarms festgestellt. Gefühllos, kalt und ohne Mitleid habe die 27-Jährige ihr Kind immer wieder geschlagen, getreten, gekniffen und fest angepackt, erklärte die Staatsanwältin.

Die Verteidigerin von Yagmurs Mutter bat um ein «mildes Urteil». Die Angeklagte sei nicht wegen Mordes zu verurteilen, sondern lediglich wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen. Der Verteidiger des Vaters verlangte höchstens eine Bewährungsstrafe. Der 26-Jährige sei durch den Tod seiner Tochter ausreichend bestraft.

Bestürzung lösten in dem Fall auch die Versäumnisse der Behörden aus. Yagmur war seit ihrer Geburt vom Jugendamt betreut worden. Bereits im Januar 2013 wurde sie nach Misshandlungen im Krankenhaus behandelt. Ein Rechtsmediziner erstattete Anzeige, die Staatsanwaltschaft ermittelte. Weil sich die Pflegemutter des Kindes selbst bezichtigte, gab das Jugendamt das Kind an die leiblichen Eltern zurück.

Die Ermittlungen stellte die Staatsanwaltschaft später ein. Kurz danach war Yagmur tot.