Urteil im Fall Diren erwartet

Fast acht Monate nach den tödlichen Schüssen auf den deutschen Austauschschüler Diren in den USA steht das Urteil bevor. Die zwölfköpfige Jury wollte am Mittwoch um 16.30 Uhr deutscher Zeit wieder zusammentreten.

Am Dienstag hatten sich die Geschworenen auch nach mehrstündigen Beratungen nicht auf ein Urteil für den Todesschützen einigen können. Sie sollen entscheiden, ob seine Tat als Notwehr oder als vorsätzliche Tötung zu werten ist.

Der Angeklagte hatte den unbewaffneten 17-jährigen Diren am 27. April in der Stadt Missoula im US-Bundesstaat Montana erschossen. Diren war nachts in die offene Garage des Mannes eingedrungen. Der 30-Jährige hielt den Teenager für einen Einbrecher und feuerte mit einer Schrotflinte. Schon kurz nach der Tat wurde darüber diskutiert, ob sich der Schütze gemeinsam mit seiner Partnerin auf die Lauer gelegt habe. Bei der Familie war mehrfach eingebrochen worden.

Wie in vielen US-Staaten ist auch in Montana der Besitz und das Tragen von Waffen erlaubt. Schätzungen zufolge besitzen mehr als die Hälfte der Einwohner eine Schusswaffe.

Die Anklagebehörde forderte in ihrem Schlussplädoyer eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung. Über den aus Hamburg-Altona stammenden Diren sagte die Staatsanwältin: «Er war ein Teenager, der Fehler machte, die Teenager machen. Aber er wurde gewaltsam hingerichtet.» Der Angeklagte habe sich für zwei Einbrüche vor der Tatnacht rächen wollen und schließlich ein «unbewaffnetes Kind» erschossen.

Dagegen plädierte die Verteidigung auf Notwehr. Diren habe «nichts Gutes im Schilde geführt». Der Schütze habe nach den zwei Einbrüchen um das Leben seines zehn Monate alten Babys gefürchtet. Der Verteidiger verwies erneut auf die «Castle Doctrine», die sogenannte Schloss-Doktrin, die im Staat Montana den Schutz des eigenen Hauses rechtfertigt - im Notfall auch mit tödlicher Gewalt.

Auch Direns Eltern verfolgen den Prozess in Missoula. Der Fall schlug vor allem in Deutschland Wellen, in den USA fand er landesweit kaum Beachtung.