US-Behörden prüfen IS-Verbindung des Orlando-Attentäters

Einen Tag nach dem Massaker von Orlando mit 50 Toten prüfen US-Behörden Verbindungen des Attentäters zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete das Massaker als erschreckend.

US-Behörden prüfen IS-Verbindung des Orlando-Attentäters
Jim Lo Scalzo US-Behörden prüfen IS-Verbindung des Orlando-Attentäters

«Unser Herz ist schwer, dass der Hass und die Bösartigkeit eines einzelnen Menschen über 50 Leben gekostet hat», sagte Merkel am Rande der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen in Peking. Die genauen Hintergründe der schlimmsten Bluttat eines einzelnen Todesschützen in der US-Geschichte sind weiter unklar.

Nach Darstellung des IS-Radiosenders Al-Bajan war der Todesschütze ein Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat. «Gott hat Omar Mateen geholfen», einen Angriff gegen Kreuzfahrer in einem Nachtclub auszuführen, berichtete der Sender. Al-Bajan gilt als offizielles Verlautbarungsorgan der Dschihadisten in ihrem Herrschaftsbereich in Syrien und dem Irak. Es wurde nicht gesagt, dass die Tat von der Führungsebene des IS geplant und in Auftrag gegeben wurde.

Die Tat wurde binnen Stunden zum Zankapfel im US-Wahlkampf und heizte die Debatte über schärfere Waffengesetze weiter an. Während die Ermittlungen zu den Motiven des Täters und einer möglichen Verbindung zur Terrormiliz IS noch laufen, preschte der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump vor: Er forderte US-Präsident Barack Obama zum Rücktritt auf, weil dieser in seiner Stellungnahme nicht die Worte «radikaler Islamismus» benutzte. Trump selbst geriet unter Beschuss, weil seine Äußerungen wie Besserwisserei gedeutet wurden und er zunächst kein Wort für die Hinterbliebenen übrig hatte.

Der 29-jährige Täter hatte in der Nacht zum Sonntag (Ortszeit) in Orlando (Florida) in einem Club für Schwule, Lesben und Trans-Personen 50 Menschen getötet und 53 weitere verletzt. Deutsche waren nicht unter den Opfern.

Erst Stunden nach den ersten Schüssen stürmten Polizisten den Club und erschossen den Attentäter. Obama sprach von einem «Akt des Terrors und des Hasses» und der schlimmsten Bluttat eines Todesschützen in der US-Geschichte. Er ordnete Trauerbeflaggung an allen Bundesgebäuden in den USA an.

Die Bundespolizei FBI erklärte, der von den Ermittlern als Omar Mateen identifizierte Mann habe sich in einem Anruf bei der Polizei im unmittelbaren Zusammenhang mit der Bluttat zum Islamischen Staat bekannt. Zudem behauptete eine IS-nahe Nachrichtenagentur, den Angriff habe ein Kämpfer der Terrormiliz ausgeführt.

Auch Obama betonte: «Wir haben noch kein endgültiges Urteil gefällt, was die genaue Motivation des Killers angeht.» Ganz anders Trump: Er forderte auch die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton auf, aus dem Rennen um das Weiße Haus auszusteigen, weil sie die Wörter «radikaler Islam» ebenfalls nicht verwendet habe.

Der Täter, ein US-Bürger mit afghanischen Eltern, hatte gegen 2.00 Uhr kurz vor der Schließung des Nachtclubs «Pulse» das Feuer auf die Besucher eröffnet. Etwa drei Stunden später wurde der mit einem Sturmgewehr vom Typ AR-15 und einer Handfeuerwaffe ausgerüstete Mann in einem Feuergefecht mit elf Polizisten getötet. Zuvor hatten sich die Beamten eigenen Angaben zufolge unter anderem mit Hilfe eines Sprengsatzes Zugang zum Club verschafft.

Wie bekannt wurde, arbeitete Mateen für eine Sicherheitsfirma in Florida und erwarb seine Waffen kurz vor der Tat legal. Das konnte er, obwohl das FBI 2013 und 2014 gegen ihn ermittelte. Dabei sei es auch um mögliche Verbindungen zum IS gegangen, sagte ein Vertreter der US-Bundesbehörde vor Journalisten. Mateens 2011 von ihm geschiedene Ex-Frau sagte, ihr Mann sei gewalttätig und psychisch labil gewesen. Sie bezeichnete ihn als nicht sehr religiös.

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) trauerte in Deutschland um die Opfer des Massakers in Orlando. «Wir verurteilen diese abscheuliche Tat und wollen uns heute mit den Opfern und ihren Angehörigen solidarisch zeigen», sagte der Geschäftsführer des LSVD-Landesverbandes Berlin-Brandenburg, Jörg Steinert, am Montag.