US-General soll «Stuxnet»-Informationen verraten haben

US-Präsident Obama steht wegen der Enthüllungen zur Datensammelwut der Geheimdienste unter Druck. Nun soll ausgerechnet ein einstiger Vertrauter weitere Top-Secret-Informationen ausgeplaudert haben. Im Visier ist ein pensionierter General.

US-General soll «Stuxnet»-Informationen verraten haben
Mike_Theiler US-General soll «Stuxnet»-Informationen verraten haben

In den USA gibt es möglicherweise einen weiteren Fall von schwerem Geheimnisverrat. Das Justizministerium in Washington ermittelt gegen den ehemaligen Vize-Generalstabschef James Cartwright, wie US-Medien am Freitag übereinstimmend berichteten. Der pensionierte Viersterne-General soll Top-Secret-Informationen über eine Cyberattacke der USA gegen den Iran an die Presse gegeben haben.

Die Vorwürfe ähneln denen gegen den mutmaßlichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning und gegen NSA-Enthüller Edward Snowden. Es gibt aber keine offizielle Bestätigung der Untersuchung.

Cartwright war von 2007 bis 2011 stellvertretender Generalstabschef. Er werde beschuldigt, geheime Informationen über die sogenannte «Stuxnet»-Attacke im Jahr 2010 gegen das Atomprogramm des Mullah-Regimes an die «New York Times» weitergegeben zu haben.

Der 63-Jährige sei über die Untersuchungen informiert worden, hieß es. Der TV-Sender NBC, der als erstes über den Fall berichtete, berief sich auf Justizkreise. Eine Bestätigung des Ministeriums lag nicht vor. Auch Cartwright selbst äußerte sich nicht.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre es ein weiterer schwerer Schlag für die Regierung von US-Präsident Barack Obama. Sie steht bereits unter Druck durch die Veröffentlichung Tausender vertraulicher und geheimer Botschaftsdepeschen durch die Enthüllungsplattform Wikileaks sowie durch die jüngste Bekanntmachung der Datensammelwut amerikanischer und britischer Geheimdienste durch den Ex-Geheimdienstler Edward Snowden.

Die «New York Times» hatte im vergangenen Jahr berichtet, dass Cartwright unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush die Idee für die Cyber-Operation mit dem Codenamen «Olympic Games» gehabt und sie dann auch geleitet habe. Obama habe nach der Amtsübernahme eine Beschleunigung des Programms angeordnet. 2010 seien dann bei einem Angriff mit dem «Stuxnet»-Virus im Iran vorübergehend 1000 Zentrifugen zur Urananreicherung lahmgelegt worden.

Der Zeitungsbericht beschrieb geheime Treffen im Weißen Haus und berief sich auf Interviews mit «derzeitigen und früheren amerikanischen, europäischen und israelischen Offiziellen, die in das Programm verwickelt waren». Demnach soll der US-Geheimdienst NSA zusammen mit Israelis «Stuxnet» entwickelt haben.

Die National Security Agency (NSA) steht auch im Zentrum der Enthüllungen Snowdens. Der 30-Jährige hatte sich eigens in die Dienste des US-Militärnachrichtendienstes begeben, um dessen Überwachungs- und Ausspähprogramme öffentlich zu machen, wie er der «South China Morning Post» in einem Interview sagte. Allein aus diesem Grund habe er einen Job bei einer Beraterfirma angenommen, die im Auftrag der NSA an der Internet-Überwachung beteiligt war.

Snowden, der von der US-Justiz des Geheimnisverrats beschuldigt und gesucht wird, war am vergangenen Sonntag von Hongkong nach Moskau geflohen. Dort hält er sich nach russischen Angaben noch im Transitbereich des Flughafens Scheremetjewo auf.