US-Haushaltsstreit drückt deutsche Aktien ins Minus

Der weiter schwelende US-Haushaltsstreit hat den deutschen Aktienmarkt am Montag wieder ins Minus gedrückt. Hoffnungen auf eine Einigung in letzter Minute begrenzten aber die Verluste.

Der Dax hatte im Handelsverlauf sogar kurz ins Plus gedreht, am Nachmittag stand er mit 0,31 Prozent im Minus bei 8698 Punkten. Noch am Freitag hatte der Leitindex erstmals in seiner 25-jährigen Geschichte über 8700 Punkten geschlossen. Der MDax gab am Montag um 0,25 Prozent auf 15 197 Punkte nach, und der TecDax verlor 0,34 Prozent auf 1084 Punkte. Der Leitindex der Eurozone EuroStoxx 50 stand 0,36 Prozent tiefer bei 2963 Punkten.

Vor der entscheidenden Woche im US-Haushaltsstreit ist aktuell weiter keine Lösung in Sicht. Nachdem Gespräche zwischen Präsident Barack Obama und dem führenden Republikaner im Abgeordnetenhaus, John Boehner, gescheitert waren, ruhen die Hoffnungen jetzt auf dem Senat.

Die Spitzenvertreter der Republikaner und Demokraten in der Kammer, Mitch McConnell und Harry Reid, nahmen Beratungen über einen Kompromiss auf. Kommt es bis zum Stichtag 17. Oktober zu keiner Einigung, können die USA laut Expertenberechnungen vermutlich nur noch bis etwa Ende Oktober ihre Rechnungen bezahlen.

Die Politiker in den USA seien dafür bekannt, dass sie finanzpolitische Risiken nicht scheuen, kommentierte Ishaq Siddiqi vom Broker ETX Capital. Zwar seien sich die Händler einig, dass die USA auch diesen Streit lösen werden, der Preis dafür sei angesichts des sehr zaghaften Wirtschaftswachstums aber hoch. Börsianer begründeten die Verluste am Aktienmarkt auch mit enttäuschenden Konjunkturnachrichten aus China.

Am Dax-Ende fielen die Titel von Infineon um 2,30 Prozent auf 7,313 Euro. Die US-Investmentbank Merrill Lynch hatte die Kaufempfehlung für die Aktien des Halbleiterherstellers gestrichen. Ein optimistischerer Ausblick sei mittlerweile zu großen Teilen eingepreist, schrieb Analyst Didier Scemama.

Aktien der Versorger Eon und RWE aber stachen mit Gewinnen von bis zu 1,49 Prozent positiv hervor. Händler verwiesen auf einen Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel», den sie als Stütze werteten. Demnach wollen die beiden Energiekonzerne die anstehenden Koalitionsverhandlungen nutzen, um die milliardenschwere Brennelementesteuer für Atomkraftwerke zu kippen.

Nachrichten aus der Politik sorgten auch im Kleinwerte-Index SDax für Aufsehen. So schnellten die Aktien von Centrotec Sustainable an der Index-Spitze um mehr als sieben Prozent in die Höhe. Einem Beschluss des Bundesrates zufolge müssen vor dem Jahr 1985 eingebaute Öl- und Gasheizungen bis 2015 ausgetauscht werden. Der Spezialist für energieeffiziente Gebäudetechnik profitiere dementsprechend von dieser am Freitag beschlossenen Neuregelung, die noch positiv nachwirke, meinten Händler.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,53 Prozent am Freitag auf 1,52 Prozent. Der Rentenindex Rex verharrte bei 133,27 Punkten. Der Bund-Future rückte um 0,03 Prozent auf 139,67 Punkte vor. Der Kurs des Euro zog an und notierte zuletzt bei 1,3595 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,3564 (Freitag: 1,3566) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7373 (0,7371) Euro.