US-Konkurrent Diebold will Wincor Nixdorf

Am Markt für Geld- und Kassenautomaten bahnt sich ein milliardenschwerer Zusammenschluss an: Der US-Hersteller Diebold - Nummer zwei der Branche - hat am Wochenende Gespräche über einen Zusammenschluss mit dem Paderborner Konkurrenten Wincor Nixdorf bekanntgegeben.

Diebold bietet rund 1,7 Milliarden Euro oder 52,50 Euro je Aktie und damit eine satte Übernahmeprämie. Am Montag schoss der Wincor-Kurs in die Höhe: Die Papiere des MDax-Wertes legten bis zum Mittag um rund 16 Prozent auf gut 45 Euro zu.

Es gibt aber auch skeptische Stimmen. Die Geldautomaten-Hersteller leiden branchenweit unter der Nachfrage-Zurückhaltung vor allem aus dem Bankgewerbe. Geteiltes Leid sei nicht unbedingt halbes Leid, warnte eine Analystin der Commerzbank.

Die Übernahme ist noch nicht unter Dach und Fach. Aktuell prüfen die Interessenten laut der Mitteilung vom Wochenende gegenseitig ihre Bücher.

Diebold mit Sitz in North Canton (US-Bundesstaat Ohio) ist ein Hersteller von Hard- und Softwaresystemen für Selbstbedienungsautomaten. Die Firma stellt etwa Geldautomaten oder Scannerkassen her und hat rund 16 000 Beschäftigte.

Wincor Nixdorf gilt als weltweite Nummer drei der Branche. Das Paderborner Unternehmen hatte bereits ein Sanierungsprogramm gestartet. Dazu gehört auch ein Stellenabbau. Von rund 9200 Arbeitsplätzen sollen rund 1100 Jobs gestrichen werden, davon 500 in Deutschland, wie das Unternehmen im April bekanntgegeben hatte.

Mit dem Zusammenschluss könne die Digitalisierung in der Bankenbranche vorangetrieben werden, wie es in Konzernkreisen hieß. Wincor ist stark in Europa, Diebold in den USA. Allerdings agiert Diebold auch schon in Europa, es gibt also Überlappungen im Angebot.

Vom Marktführer NCR - ebenfalls ein US-Unternehmen - kamen kritische Töne: Ein solcher Zusammenschluss würde wegen der räumlichen und der Kulturunterschiede zwischen den USA und Deutschland sowie der teils sehr ähnlichen Produkte «kein Zuckerschlecken», sagte ein NCR-Europaverantwortlicher. Die Integration würde beide Partner über Jahre binden. «Wir zittern überhaupt nicht.»

In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2014/2015 waren der Umsatz und das operative Ergebnis bei Wincor Nixdorf deutlich zurückgegangen. Die Erlöse sanken um 2 Prozent auf 1,76 Milliarden Euro, der Betriebsgewinn verringerte sich wegen Kosten für die Restrukturierung um mehr als die Hälfte auf 40 Millionen Euro.