US-Konzerne setzen auf Cloud-Dienste aus Deutschland

Nach dem NSA-Skandal setzen die US-Konzerne Cisco und Oracle auf Internet-Dienste aus Deutschland. So soll die Deutsche Telekom für den Netzwerk-Ausrüster Cisco den europäischen Teil der globalen Plattform «Intercloud» betreiben und auch in Europa vermarkten.

Die Telekom setzt dafür als «Intercloud»-Mitbegründer ihr neues Rechenzentrum in der Nähe von Magdeburg ein. Der Software-Riese Oracle, der schärfste Konkurrenz des deutschen SAP-Konzerns, baut zwei Rechenzentren in Deutschland auf.

Der Netzwerk-Ausrüster Cisco will im Zuge seiner Cloud-Offensive weltweit eine Milliarde Dollar investieren. Zusammen mit Partnern kämen 250 nun Rechenzentren in 50 Ländern hinzu, kündigte der Konzern am Montag an. Die Plattform solle unter anderem Rechenleistung für das sogenannte Internet der Dinge mit Milliarden vernetzter Geräte liefern.

Bei Cloud-Angeboten werden Software, Daten und auch Rechenleistung direkt aus dem Internet bereitgestellt. Aktuell zeichnet sich immer mehr ab, dass US-Unternehmen nach dem NSA-Skandal für Europa lokale Cloud-Dienste anbieten müssen. So kündigte der Software-Konzern Oracle gerade erst in der Nacht zu Montag den Aufbau von zwei Rechenzentren in Deutschland an.

Die Oracle-Rechenzentren in Frankfurt und München sollen vor Jahresende ans Netz gehen, wie der Konzern am späten Sonntag in San Francisco ankündigte. Damit sollen vor allem Unternehmen bedient werden, die ihre Cloud-Dienste aus Deutschland beziehen wollen, erläuterte Deutschlandchef Jürgen Kunz. «In Deutschland ist Datensicherheit ein besonders sensibles Thema. Die Ankündigung ist ein Zeichen dafür, dass Oracle als US-Unternehmen dem deutschen Markt verbunden bleibt.»

In einigen Bereichen wie Personaldaten müssten die Informationen in vielen Fällen in deutschen Rechenzentren gelagert werden. Oracle habe zwar Kunden aus Deutschland, die kein Problem damit hätten, ihre Daten im Ausland aufzubewahren. «Es gibt aber auch Kunden mit dem Bedürfnis, die Daten in Deutschland zu speichern, und wir wollen auch ihnen gerecht werden.» Die Rivalität mit dem deutschen Unternehmenssoftware-Spezialisten SAP habe bei dieser Entscheidung keine Rolle gespielt, sagte Kunz. Oracle konkurriert mit Europas größtem Software-Anbieter auch bei Cloud-Diensten, bei denen Software, Daten und Rechenleistung direkt aus dem Netz bereitgestellt werden.

Nach der Diskussion um die Internet-Überwachung durch Geheimdienste wie die NSA bieten US-Unternehmen für ihre Kunden in Europa verstärkt lokal angesiedelte Dienste an. So setzte sich jüngst der Deutschlandchef des Computerriesen Hewlett-Packard, Heiko Meyer, für eine europäische Cloud ein. «Wir sollten einen gemeinsamen Datenraum für Europa entwickeln wie den europäischen Wirtschaftsraum, sagte er der dpa. Microsoft prüft Cloud-Möglichkeiten für den deutschen Mittelstand.

Die deutschen Anbieter wollen in dieser Situation ihren Standort-Vorteil ausspielen. SAP hatte vergangenes Jahr europäische Regeln für Datendienste gefordert. Die Deutsche Telekom macht sich für ein sogenanntes Schengen-Routing stark: Internet-Dienste, bei denen die Daten auf dem Weg zwischen zwei Punkten in Europa entsprechend auch die europäischen Grenzen nicht verlassen sollen.