US-Konzern McKesson schluckt Pharmagroßhändler Celesio

Der US-Konzern McKesson mischt den deutschen Pharma-Großhandel auf. Für umgerechnet 6,1 Milliarden Euro wollen die Amerikaner die Stuttgarter Celesio AG übernehmen, wie die Unternehmen am Donnerstag mitteilten.

US-Konzern McKesson schluckt Pharmagroßhändler Celesio
Marijan Murat US-Konzern McKesson schluckt Pharmagroßhändler Celesio

Der Duisburger Mischkonzern Haniel gibt als Mehrheitseigner von Celesio zunächst seinen 50,01-Prozent-Anteil für 23 Euro je Aktie ab. Auch für die verbleibenden börsengehandelten Aktien will McKesson Angebote vorlegen. Insgesamt will McKesson mindestens 75 Prozent der Anteile einsammeln, sonst platzt der Deal.

Der Pharmagroßhändler Celesio beugt sich damit dem wachsenden Wettbewerbsdruck in der Branche. Zusammen werden die beiden Firmen den Angaben zufolge 81 500 Mitarbeiter weltweit haben und auf einen Jahresumsatz von mehr als 150 Milliarden US-Dollar (111 Mrd Euro) kommen.

Celesio soll zunächst als eigenständige Tochter weiter geführt werden. «So wird unser Unternehmen wesentlich konkurrenzfähiger», sagte Celesio-Chefin Marion Helmes am Donnerstag.

Die Celesio-Aktien sprangen am Vormittag um 5,36 Prozent auf 22,89 Euro hoch. Analysten bewerteten das Angebot als attraktiv. Commerzbank-Analyst Volker Braun sagte, er rechne nicht mit einem Gegenangebot, da Haniel dem Verkauf zugestimmt habe. Der Vorstand werde das Angebot sorgfältig prüfen und anschließend eine klare Empfehlung ausgeben, sagte Celesio-Chefin Helmes.

Der hoch verschuldete Haniel-Konzern erzielt nach eigenen Angaben einen Verkaufserlös von knapp zwei Milliarden Euro. Mit einem Teil des Geldes will Haniel seine Schulden abbauen. Haniel ist seit 1973 Anteilseigner bei Celesio. Es sei ein «wohlüberlegter und geordneter Abschied», sagte Helmes.

Die Übernahme war in Branchenkreisen bereits erwartet worden. In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Gerüchte über einen Ausstieg von Haniel gegeben. Zuletzt fiel auch der Namen McKesson. Celesio litt wie seine Konkurrenten zuletzt unter den durch Gesundheitsreformen in verschiedenen Ländern angetriebenen Preisdruck und hatte nach dem ersten Halbjahr sein Gewinnziel 2013 gesenkt. Die deutschen Pharmahändler lieferten sich zuletzt eine gnadenlose Rabattschlacht.

Celesio und McKesson ergänzten sich geografisch, sagte Helmes. McKesson sei vor allem in den USA und Kanada aktiv. Celesio in Europa und Brasilien. Die Amerikaner unterstützten die bisherige Strategie der Deutschen. Celesio baut derzeit den Großhandel aus und betreibt nach dem Verkauf der Versandapotheke DocMorris noch knapp 2200 Apotheken in sechs europäischen Ländern.

Außerdem hat Celesio gut 4000 Partner-Apotheken, die Marken- und Vertriebskonzepte der Stuttgarter umsetzen.

McKesson beliefert wie Celesio Apotheken und Arztpraxen mit Medikamenten und betreibt ein Franchise-Netz von Apotheken in den USA. Zusätzlich haben sich die Amerikaner unter anderem auf medizinisch-chirurgische Produkte sowie IT-Dienstleistungen spezialisiert.

McKesson verspricht sich ab dem vierten Jahr nach der Übernahme Synergien von 275 bis 325 Millionen US-Dollar. Celesio-Chefin Helmes rechnet mit einem Abschluss der Transaktion im Januar.

Spätestens bis März 2014 soll die Übernahme über die Bühne sein. Das Management werde nicht ausgetauscht. Helmes hatte erst im Sommer den Vorstandsvorsitz von ihrem Vorgänger Markus Pinger übernommen und ist nun Finanz- und Firmenchefin in einer Person.

Über mögliche Stellenstreichungen sagte Helmes: «Die Frage stellt sich nicht.» Das Ziel der Zusammenführung sei keine Kosteneinsparung, sondern Wachstum. Auch die bisherigen Marken Gehe und Lloyds für das Apothekennetzwerk sollen erhalten bleiben. Nur Celesio könnte verschwinden: «Inwieweit der Name Celesio erhalten bleibt, wird man sehen müssen», sagte Helmes.