US-Notenbank wird weiter abwarten

Die US-Notenbank Fed wird heute voraussichtlich erneut eine Politik der ruhigen Hand fahren. Der Leitzins wird nach fast einhelliger Einschätzung von Volkswirten und der Finanzmärkte in der Spanne von 0,25 bis 0,50 Prozent bleiben.

US-Notenbank wird weiter abwarten
Rainer Jensen US-Notenbank wird weiter abwarten

Mit Spannung dürften die Märkte jedoch auf das Statement der Fed schauen. Hier werden Aussagen zu den zuletzt besser als erwartet ausgefallenen US-Konjunkturdaten und dem Ausgang des Brexit-Referendums im Blick stehen. Eine Pressekonferenz von Notenbankchef Janet Yellen steht nicht an. Die Fed wird generell die Datenabhängigkeit der Geldpolitik herausstellen. In ihrem Statement dürfte der im Juni robust ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht positiv vermerkt werden.

Auf ihrer jüngsten Sitzung Mitte Juni hatte sie noch auf eine nachlassende Dynamik am Arbeitsmarkt verwiesen. Zudem zeichnete sich zuletzt ein leichter Aufwärtstrend bei der Inflation ab. Allerdings sind die jüngsten Konjunkturdaten nach Einschätzung der Bayerischen Landesbank noch nicht ausreichend positiv ausgefallen, um eine Mehrheit von einem Zinsschritt zu überzeugen.

«Ursache für die zögerliche Haltung sind vor allem die dominierenden globalen Unsicherheiten - die US-Konjunktur selbst läuft durchaus solide», schreibt HSBC Trinkaus. Allerdings gibt es beim Thema Brexit eine gewisse Entspannung. Erste Konjunkturindikatoren aus Europa zeigten, dass sich die Auswirkungen auf Großbritannien konzentrieren werden und weniger auf die Weltwirtschaft wirken dürften.

Zudem zeigten sich Vertreter der US-Notenbank zuletzt erleichtert, dass die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen, sich bisher kaum auf die globalen Finanzmärkte ausgewirkt hat. Allerdings dürfte die Fed hier noch harte Konjunkturdaten abwarten wollen. Vor dem Referendum hatte die Fed immer wieder auf die aus einem möglichen Brexit-Referendum resultierenden Risiken hingewiesen.

Trotzdem dürfte die Fed nach Einschätzung von HSBC Trinkaus ihre abwartende Haltung mit weltpolitischen Risiken begründen. Zu Jahresbeginn hatte sie ihre zögerliche Politik mit der Wirtschaftslage in China erklärt. Mittlerweile ist nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei ein neuer Risikofaktor hinzugekommen.

Volkswirte rechnen mit einer Leitzinsanhebung frühestens zum Jahresende. «Gemessen an den realökonomischen Daten dürfte die Fed weiter zu Zinserhöhungen neigen», schreibt die Commerzbank. Grundsätzlich würden sich die Sitzungen im September und im Dezember anbieten, da dann Pressekonferenzen anstehen.