US-Poker: Skepsis und Erleichterung an den Märkten

Das US-Haushaltsdrama ist vorerst ausgestanden, die Märkte atmen auf. An den Börsen ging es größtenteils nach oben, ein Kursfeuerwerk blieb am Donnerstag jedoch aus.

US-Poker: Skepsis und Erleichterung an den Märkten
Martin H. Simon / Pool US-Poker: Skepsis und Erleichterung an den Märkten

Die Investoren hatten den in letzter Minute gefundenen Kompromiss erwartet und richten ihren Blick bereits in die Zukunft. Denn der grundsätzliche Konflikt um den Haushalt in der größten Volkswirtschaft der Welt ist noch nicht endgültig gelöst. Vor allem aus China kommt deutliche Kritik.

Mit dem Kompromiss entging die Weltwirtschaft nach Ansicht von Weltbank-Präsident Jim Yong Kim nur knapp einem Desaster. «Die globale Wirtschaft ist einer potenziellen Katastrophe ausgewichen», erklärte er. «Dies sind gute Nachrichten für die Entwicklungsländer und die Armen der Welt.»

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, sprach von einem «wichtigen und notwendigen Schritt». Die Unsicherheit über die Finanzpolitik der USA müsse nun unbedingt verringert werden, betonte sie.

Der deutsche Aktienmarkt hatte bereits am Mittwoch nach den ersten positiven Signalen für eine Einigung in Washington mit Rekordständen reagiert. Am Donnerstag fiel der deutsche Leitindex Dax zunächst etwas ab. Zuvor hatten die wichtigsten Börsen in Asien zugelegt.

Insgesamt fielen die Ausschläge an den Weltbörsen verhalten aus. Die Anleger vertrauten nach Einschätzung von Marktexperten darauf, dass wie in den vergangenen Jahren auch eine Einigung in den USA gefunden wird. Denn eine Zahlungsunfähigkeit des Finanzgiganten USA hätte desaströse und unabsehbare Folgen für die Weltwirtschaft nach sich gezogen.

Trotz der Freude über den Kompromiss in Washington hätten viele Anleger bereits die künftige Entwicklung im Blick, erklärte Experte Desmond Chua von CMC Markets. «Der Kompromiss bringt nur wenig Zeit, bevor es erneut zu einem Debakel kommen kann.»

Denn der US-Kongress hatte sich nach wochenlangem Streit am späten Mittwochabend (Ortszeit) nur darauf geeinigt, das Schuldenlimit der USA bis zum 7. Februar heraufzusetzen. Außerdem soll die Regierung, die seit mehr als zwei Wochen ohne verabschiedeten Haushalt arbeitet, bis zum 15. Januar übergangsweise finanziert werden.

Für den eskalierten Finanzstreit haben die USA nach Einschätzung der Ratingagentur Standard & Poor's schon jetzt einen hohen Preis gezahlt. Der «Shutdown» habe die Wirtschaft bereits 24 Milliarden Dollar (knapp 18 Mrd Euro) gekostet. Die Bonitätswächter erwarten, dass das US-Wirtschaftswachstum im Schlussquartal 2013 aufs Gesamtjahr hochgerechnet wegen der Ausfälle sogar um bis zu 0,6 Prozent belastet werden könnte.

Ein weiterer deutlicher Warnschuss kam aus China: Die Staatsagentur Xinhua bezweifelte in einem Kommentar die Sicherheit von US-Staatspapieren. «In- und ausländischen Investoren sei geraten, sich einen Plan B zurechtzulegen, da noch immer keine langfristige Lösung für die US-Schuldenkrise in Sicht ist», schrieb die Nachrichtenagentur am Donnerstag. Aus Parteikalkül hätten die Abgeordneten eine Lösung bis zum letzten Moment hinausgezögert. Dabei seien ihnen die schlimmen Konsequenzen für die Weltwirtschaft sehr bewusst gewesen. China ist der größte auswärtige Gläubiger der USA und hält 1,3 Billionen Dollar in US-Staatspapieren. Die chinesische Ratingagentur Dagong senkte die Kreditwürdigkeit der weltgrößten Volkswirtschaft von der dritthöchsten Bewertung «A» auf «A-».

Die Einigung in den USA bescherte dem deutschen Anleihemarkt in einer ersten Reaktion Gewinne. Die Nachfrage nach den als besonders sicher geltenden deutschen Staatspapieren bleibt weiter hoch. Der Eurokurs profitierte von der Einigung, während der Dollar auch nach dem Kompromiss weiter unter Druck stand.