US-Seuchenbehörde CDC lockert Ebola-Richtlinien

Die US-Seuchenbehörde CDC hat neue Richtlinien zum Umgang mit von Ebola gefährdeten Menschen veröffentlicht.

In den am Montagabend (Ortszeit) bekanntgegebenen Maßnahmen ist von vier Kategorien die Rede: von hoch- bis geringgefährdet. Hochgefährdete Menschen sollen demnach öffentliche Verkehrsmittel und größere Ansammlungen vermeiden und 21 Tage lang zu Hause bleiben. Zu dieser Gruppe zählen Pflegekräfte oder Familienmitglieder, die in Westafrika Ebola-Patienten betreut haben und mit Körperflüssigkeiten in Kontakt kamen.

Die neuen Regeln sind weniger strikt als die ursprünglichen Maßnahmen der Bundesstaaten New York und New Jersey, die eine zwingende Quarantäne für besonders stark gefährdete Menschen vorsahen. «Wir glauben, dass diese neuen Regeln auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Sie bieten ein hohes Maß an Schutz», zitierte die «New York Times» den Direktor der Seuchenbehörde, Thomas Frieden. Die neuen Regeln garantierten sowohl die Sicherheit der Amerikaner als auch die Wahrung der Bürgerrechte von Menschen, die sich in Afrika «heldenhaft» im Kampf gegen Ebola einsetzten.

Von einer Quarantäne wird nun bei weniger und gering gefährdeten Menschen Abstand genommen. Weniger gefährdetes medizinisches Personal, das in Schutzanzügen mit Patienten zu tun hatte, wird empfohlen, zweimal am Tag die Körpertemperatur zu messen. Gering gefährdete Menschen, die kürzlich in Westafrika waren, aber keinen Kontakt zu Ebola-Patienten hatten, sollten den neuen Richtlinien nach ihre Körpertemperatur im Auge behalten, dürfen aber weiterhin reisen.

Das Seuchenkontrollzentrum hat allerdings keine Weisungsbefugnis an die Staaten. Einige haben bereits angedeutet, dass sie stärkere Regeln umsetzen wollen, darunter Illinois und Florida. Laut «New York Times» kommen täglich rund 100 Menschen per Flugzeug aus den am stärksten von Ebola betroffenen Ländern Westafrikas in die USA.

Für den Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika werden nach Auffassung der Weltbank zusätzlich mindestens 5000 Helfer benötigt. Der Chef der Institution, Jim Yong Kim, rief Gesundheitsexperten aus aller Welt auf, sich an ihr Gelöbnis zu erinnern, kranke Menschen zu behandeln. «Ich mache mir große Sorgen, weil ich nicht weiß, wo wir die Helfer finden sollen», sagte Kim bei einem Besuch in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba.

Zusammen mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bereist Kim noch bis zum Mittwoch das Horn von Afrika, darunter auch Dschibuti und Kenia. In Äthiopien standen vor allem Gespräche mit der Afrikanischen Union (AU) auf dem Programm, die bereits vor Wochen ein medizinisches Expertenteam in die betroffenen Regionen entsandt hatte.

Kim rief die Mitgliedstaaten der AU dazu auf, weder Reiseeinschränkungen zu verhängen noch ihre Grenzen zu schließen. Nur so könnten Helfer schnell und einfach die Ebola-Gebiete erreichen. In Guinea, Liberia und Sierra Leone - den am schlimmsten betroffenen Staaten - sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation bereits über 4900 Menschen an Ebola gestorben. Die Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.