US-Skistar Vonn überwältigt - Hirscher vor Krönung

Lindsey Vonn fiel völlig emotional in den Schnee und schrie ihre Erleichterung in die französischen Alpen hinaus. «Yeeeeeeeeees», brüllte die überwältigte amerikanische Ski-Ikone im Zielraum von Méribel mit dem spektakulären Bergpanorama vor Augen.

Durch ihren 67. Einzelsieg zum Weltcup-Abschluss der Speedwettbewerbe sicherte sich die 30-Jährige nach der Abfahrtswertung auch den Disziplinerfolg im Super-G. «Unglaublich. Ich habe 110 Prozent gegeben - die Frage war: Titel oder nix», schwärmte sie.

Ihre 19. Kristallkugel versöhnte Vonn wieder ein bisschen mehr für die eher enttäuschende Heim-WM, bei der die mehrfache Gold-Kandidatin im Februar nur einmal Bronze geholt hatte. Im letzten Super-G des Winters war Vonn um knapp eine halbe Sekunde schneller als ihre österreichische Kontrahentin Anna Fenninger, die damit auch den Kampf um den Disziplinweltcup verlor. Zumindest im Gesamtweltcup baute die 25-Jährige ihre Führung wieder etwas deutlicher aus: Fenningers hartnäckigste Verfolgerin, die Slowenin Tina Maze, liegt nach Platz drei zwei Rennen vor dem Saisonende jetzt 32 Zähler hinter ihr.

Bei den Männern ist der Abstand zwischen Fenningers Landsmann Marcel Hirscher und dem norwegischen Super-G-Disziplinweltcupsieger Kjetil Jansrud zwar nur um zwei Pünktchen größer. Und dennoch ist die Entscheidung zugunsten von Hirscher quasi schon gefallen: Der 26-Jährige steht kurz davor, als erster Mann in der alpinen Geschichte zum vierten Mal in Serie die Gesamtwertung zu gewinnen.

Durch einen überraschend starken vierten Platz im Super-G beim Premierensieg von Dustin Cook aus Kanada hielt Hirscher den Tageszweiten Jansrud auf Abstand. In den noch ausstehenden letzten technischen Rennen dürfte der Dominator des Winters vom Skandinavier nicht zu bezwingen sein. «Das ist Wahnsinn», befand Hirscher. «Ich bin selber überrascht. Es geht momentan um ziemlich viel.»

Mit Felix Neureuther streitet sich der viermalige Weltmeister auch noch um die kleine Kristallkugel für den Slalom-Gesamtsieg, über die am Sonntag entschieden wird. Im Super-G hatten sich bei Herren und Damen keine deutschen Starter für Méribel qualifiziert.

Im Vergleich dazu beklagte sich Fenninger über Luxusprobleme. «Im ersten Moment hat es mir schon wehgetan, dass es mit der kleinen Kugel nicht geklappt hat. Ich war in den letzten Saisons schon immer knapp dran an einer Speedkugel, es hat aber nie geklappt», sagte sie. «Zweite Plätze reichen dafür nicht, das hat Lindsey gezeigt.»

Ihre Konzentration richtet die Österreicherin jetzt auf die letzten Einzelrennen des Winters am Wochenende. Am Samstag steht zunächst ein Slalom an, tags drauf ein Riesentorlauf. Über einen Start im für sie ungewohnten Torlauf will Fenninger kurzfristig entscheiden.

Vonn hat im Gesamtweltcup schon länger keine Aussichten mehr - auch, weil sie diese Saison fast ausschließlich in Speedrennen gestartet war und die technischen Disziplinen links liegen ließ. In Zukunft wolle sie im Riesenslalom wieder öfter antreten, kündigte sie an. Ihr Versprechen: «Nächstes Jahr greife ich im Gesamtweltcup wieder an!»