US-Sponsoren wenden sich von Blatter ab

Den unmissverständlichen Rücktrittsforderungen von vier wichtigen FIFA-Geldgeber aus Amerika begegnete Joseph Blatter mit seinen offenbar weiter intakten Machtreflexen. Sofortiger Rücktritt? Nein! Ausgeschlossen!

Angesichts des laufenden Strafverfahrens wegen des Verdachts der Untreue ist die Abkehr der ihm auch in Krisenzeiten lange in Treue verbundenen US-Partner für den taumelnden Chef des Fußball-Weltverbandes nicht das primäre Problem in den letzten Wochen seiner skandalumtosten Regentschaft.

«Herr Blatter widerspricht mit allem Respekt der Haltung und glaubt fest daran, dass ein Abschied aus dem Amt weder im Interesse der FIFA wäre, noch den Reformprozess voranbringen würde und wird daher nicht zurücktreten», hieß es in einer Erklärung der Anwälte des 79 Jahre alten Schweizers. Zuvor hatten Coca-Cola, McDonald's, VISA und Anheuser-Busch für ein Novum in der FIFA-Historie gesorgt und nacheinander in separaten Statements den unverzüglichen Abschied Blatters gefordert.

Durch die Rücktrittsforderungen der Topsponsoren wird der Druck auf Blatter größer. Seine Entscheidung, bis zum 26. Februar 2016 im Amt zu bleiben, werden die Geldgeber nicht torpedieren können. Zumal sich die FIFA-Geldgeber uneins sind. Im Gegensatz zu den US-Konzernen fordert Adidas keinen sofortigen Blatter-Rücktritt. «Wie in der Vergangenheit mehrfach betont, müssen bei der FIFA im Sinne des Fußballs grundlegende Veränderungen durchgeführt werden. Daher muss der eingeleitete Reformprozess transparent und zügig fortgesetzt werden», sagte Sprecher Oliver Brüggen der Deutschen Presse-Agentur.

In Südkorea hieß es beim Autoriesen Hyundai/Kia, man habe «derzeit keinen Kommentar zu Sepp Blatter oder dem derzeitigen Status des Sponsorships». Kritische Töne vom Energiekonzern Gazprom sind angesichts der engen Verbindungen der russischen WM-Organisatoren zu Blatter undenkbar.

Aus der deutschen Politik wird weiter Blatter-Kritik geäußert - bis in Regierungskreise: «Jeder Tag, an dem #Blatter immer noch Präsident der #FIFA bleibt, ist ein schlechter Tag für den Fußball», hieß es am Samstag auf dem Twitter-Account des Justizministers Heiko Maas (SPD).

Einen unmittelbaren Abschied Blatters hält der Sportartikelhersteller Adidas hingegen offenbar nicht für zielführend und hält sich mit weiteren Statements zurück. Die Sorge könnte sein, dass eine Demission bei der FIFA endgültig ein Machtvakuum erzeugt. Nach den Statuten würde Vize Issa Hayatou übernehmen, dem diverse ethische Vergehen vorgeworfen werden und der als gesundheitlich angeschlagen gilt.

Am Freitagabend hatten die vier US-Unternehmen Blatter explizit aufgefordert, sein Amt sofort niederzulegen. «Und angesichts der Ereignisse der letzten Woche, ist es klar, dass es im Interesse der FIFA und des Sports am besten wäre, wenn Sepp Blatter sofort zurücktritt», hieß es einem VISA-Statement. «Mit jedem Tag, der vergeht, werden das Bild und der Ruf der FIFA weiter befleckt», äußerte sich Coca-Cola. McDonald's erklärte: «Wir glauben, dass es im Interesse des Spiels wäre, wenn FIFA-Präsident Sepp Blatter sofort zurücktreten würde, so dass der Reformprozess mit der Glaubhaftigkeit geführt werden kann, die notwendig ist.»

Die Schweizer Bundesanwaltschaft hatte in der Vorwoche ein Strafverfahren gegen Blatter wegen des Verdachts der «ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie - eventualiter - wegen Veruntreuung» eröffnet. Im Kern geht es um eine Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken im Jahr 2011 an UEFA-Chef Michel Platini, der Blatter im Februar im Amt beerben will, und die Veräußerung von WM-TV-Rechten für die Karibik an Ex-FIFA-Vize Jack Warner für 600 000 Dollar und damit deutlich unter dem üblichen Marktpreis.

Warum sich ausgerechnet die vier in den USA ansässigen FIFA-Partner von Blatter abwenden, ist unklar. Eventuell besteht ein Zusammenhang zu den von der US-Justiz geführten Ermittlungen zu diversen Korruptionsvorwürfen gegen hochrangige ehemalige FIFA-Funktionäre und Geschäftspartner. Bislang hatten sich alle Geldgeber zwar für Reformen ausgesprochen, sich aber nicht öffentlich gegen Blatter gestellt. In den Reformprozess waren sie zuletzt durch Sitz und Stimme in der neu gegründeten Reformkommission eingebunden worden.

Adidas hatte seinen Vertrag vor zwei Jahren bis 2030 verlängert. Coca-Cola besitzt einen Kontrakt bis 2022 - dem Jahr der umstrittenen Katar-WM. Unmittelbare finanzielle Auswirkungen haben die Sponsorenforderungen für die FIFA somit vorerst nicht. Im Finanzzyklus von 2011 bis 2014 machten die Marketingeinnahmen rund 1,6 Milliarden Dollar und damit 29 Prozent der Einnahmen aus.

2014 hatten sich die Fluglinie Emirates und der Elektronikkonzern Sony aus dem FIFA-Sponsorenpool verabschiedet. Beide Unternehmen nannten nicht die moralische Krise des Weltverbandes als Grund. Im Juli hatte der mittlerweile wegen Korruptionsvorwürfen suspendierte FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke erklärt, dass bis zu einer Neuordnung der FIFA-Spitze neue Sponsorendeals unmöglich seien.