US-Zinssorgen und Bayers Kaufpläne belasten Dax

Sorgen vor steigenden US-Leitzinsen und ein Kursrutsch der Bayer-Aktien haben am Donnerstag den Dax schwer belastet. Erstmals seit Mitte April schloss er wieder unter 9800 Punkten.

US-Zinssorgen und Bayers Kaufpläne belasten Dax
Fredrik Von Erichsen US-Zinssorgen und Bayers Kaufpläne belasten Dax

In den USA könnte schneller als erwartet an der Zinsschraube gedreht werden. In Leverkusen plant der Pharma- und Chemiekonzern Bayer sein Agrarchemie-Geschäft mit dem Kauf des US-Giganten Monsanto aufzupolieren. Das dürfte teuer werden, fürchten Anleger.

Der deutsche Leitindex büßte 1,48 Prozent auf 9795,89 Punkte ein. Der MDax mittelgroßer Werte fiel um 0,66 Prozent auf 19 984,85 Punkte, und der Technologiewerte-Index TecDax verlor 0,98 Prozent auf 1647,15 Zähler. Europaweit und in den USA sah es kaum besser aus.

Der EuroStoxx 50 sackte um 1,26 Prozent auf 2919,22 Punkte ab, ähnliche Verluste wurden in London verbucht. In Paris sank der Leitindex Cac 40 dagegen um etwas weniger als ein Prozent. In den USA büßten der Leitindex Dow Jones Industrial zum Handelsschluss in Europa ebenfalls rund ein Prozent ein.

Entgegen den bisherigen Erwartungen am Markt könnte die US-Notenbank Fed ihre geldpolitischen Zügel schon im Juni oder Juli weiter straffen, sofern sich die Wirtschaft günstig entwickelt. Dies wird nach der Veröffentlichung des jüngsten Protokolls zur Sitzung des geldpolitischen Ausschusses verstärkt gemutmaßt. Höhere Zinsen würden Aktien im Vergleich zu Anleihen jedoch uninteressanter machen.

Vom Protokoll der Europäischen Zentralbank (EZB) hingegen gingen kaum Impulse aus. Der Rat der Notenbank attestierte der Politik in den Euroländern einen Reformmangel und ist weiterhin wegen der niedrigen Inflationserwartungen besorgt.

Im Dax wurden die Papiere von Bayer wegen eines möglichen Milliardenzukaufs abgestraft. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern will sich den aktuell wegen des Unkrautvernichters Glyphosat im Brennpunkt stehenden US-Chemieriesen Monsanto einverleiben. Die Anleger sehen dies aber mit Sorgen, denn neben einer möglichen anteilsverwässernden Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Übernahme beurteilen sie auch den womöglich hohen Kaufpreis kritisch. Die im Dax schwer gewichteten Aktien brachen um 8,20 Prozent ein und kosteten damit so viel wie zuletzt im Oktober 2013.

Aktionäre von Bankaktien dagegen freuten sich über die Aussicht auf steigende US-Leitzinsen, denn die Finanzinstitute leiden seit langem unter den niedrigen Zinsen. So gewannen die Papiere der Deutschen Bank, die zugleich ihre Hauptversammlung hatte, sowie der Commerzbank jeweils etwas mehr als ein Prozent. Die Papiere der Deutschen Pfandbriefbank kletterten im MDax um ein knappes Prozent nach oben.

Zum Ende der Berichtssaison legten zudem noch einige Unternehmen ihre Geschäftszahlen vor. So war der Pharma- und Chemiekonzern Merck KGaA dank eines florierenden Laborgeschäfts mit Volldampf ins Jahr gestartet und will 2016 bei Umsatz und Gewinn erneut zulegen. Die Anleger honorierten dies. Die Aktien legten an der Dax-Spitze um knapp 5 Prozent zu.

Der Konsumgüterkonzern Henkel hatte im ersten Quartal auch eine starke Geschäftsentwicklung verzeichnet, was den ebenfalls im Dax notierten Vorzugsaktien ein kleines Plus von 0,24 Prozent bescherte.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 0,04 Prozent am Vortag auf 0,08 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,18 Prozent auf 142,14 Punkte. Der Bund Future gewann 0,18 Prozent auf 163,59 Punkte. Der Kurs des Euro stieg bis zum Abend wieder über 1,12 US-Dollar. Zuletzt wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1214 Dollar gehandelt. Die EZB hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1197 (Mittwoch: 1,1279) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8931 (0,8866) Euro.