USA erwägt Militärschlag gegen Syrien

Die USA haben im Syrienkonflikt den Ton verschärft. Außenminister John Kerry sagte, die US-Regierung sei von einem Giftgaseinsatz in dem Land überzeugt.

USA erwägt Militärschlag gegen Syrien
Paul Farley USA erwägt Militärschlag gegen Syrien

Dem Regime in Damaskus warf er vor, systematisch Beweise dafür zu beseitigen. «Dies ist nicht das Verhalten einer Regierung, die nichts zu verbergen hat», meinte Kerry.

Auch Regierungssprecher Jay Carney machte klar, dass es für Washington kaum noch Zweifel gebe, dass die Führung in Damaskus hinter dem mutmaßlichen Giftgasangriff mit Hunderten Toten steckt. «Wir meinen, dass es sehr wenig Zweifel gibt, dass Syrien verantwortlich ist», sagte Carney am Montag in Washington. Allein das Regime von Baschar al-Assad verfüge über Raketen, um Chemiewaffen abzuschießen.

Carney wollte jedoch nicht sagen, wann und wie die USA und die internationale Gemeinschaft auf den Giftgaseinsatz reagieren wollten. «Wir überlegen uns unsere Optionen, und der Präsident wird eine Entscheidung treffen.»

Kerrys Ausführungen sind die bislang härtesten verbalen Angriffe auf das Assad-Regime. Es sei jetzt völlig klar, dass Chemiewaffen eingesetzt worden seien. Dies sei eine «moralische Obszönität», sagte Kerry. «Was wir in der vergangenen Woche in Syrien gesehen haben, schockiert das Bewusstsein der Welt.»

Bei dem Angriff am 21. August in einem Vorort von Damaskus sollen Hunderte Menschen ums Leben gekommen sein. Offenbar mit Blick auf Damaskus meinte Kerry: «Trotz der Entschuldigungen und Zweideutigkeiten, die einige fabrizieren, ist das unleugbar.» Er warf dem Assad-Regime vor, UN-Inspekteuren fünf Tage lang Zugang zu dem Gebiet des Giftgaseinsatzes verweigert zu haben. Zudem habe das Regime durch den weiteren Beschuss der Gegend Beweise vernichtet.

Wie ein Angriff auf Syrien aussehen könnte, ist offenbar noch nicht entschieden. Laut US-Medienberichten ist ein Raketenangriff am wahrscheinlichsten. Die Raketen könnten von Schiffen im Mittelmeer abgeschossen werden. Die USA haben vier Zerstörer in der Region. US-Präsident Barack Obama arbeite auf eine gemeinsame Aktion der internationalen Gemeinschaft hin. Was die genauen Ziele eines solchen Angriffe sein könnten, wurde zunächst nicht bekannt. Obama sei mit dem Kongress und mit den Verbündeten im Gespräch, hieß es. Am Montag beriet er sich etwa mit dem australischen Ministerpräsidenten Kevin Rudd. Zudem setzte das Weiße Haus den Präsidenten des US-Abgeordnetenhauses, John Boehner, über mögliche Optionen in Kenntnis, wie dessen Sprecher der «Washington Post» sagte.

Zuvor waren UN-Chemiewaffenexperten in Damaskus, die die Giftgas-Vorwürfe untersuchen sollen, gleich zu Beginn ihres Einsatzes unter Beschuss von Heckenschützen geraten. Ihr Konvoi wurde am Montag beschossen, als die Fahrzeuge die imaginäre Frontlinie passierten. Rebellen berichteten, regierungstreue Milizen hätten vom Messe- Militärflughafen aus das Feuer auf das UN-Team eröffnet. Wie die UN mitteilten, wurde die Untersuchung aber fortgesetzt. Das Team habe «wertvolle Daten» zu den Giftgas-Vorwürfen gesammelt.

Damaskus bestreitet den Einsatz chemischer Kampfstoffe und beschuldigt stattdessen die Rebellen, Giftgas eingesetzt zu haben. Laut Ärzte ohne Grenzen sind in von der Organisation betreuten Krankenhäusern 3600 Menschen mit Symptomen von Nervengift behandelt worden. Von ihnen seien 355 gestorben.

Die UN-Vetomacht Russland, ein enger Verbündeter Syriens, warnte die USA vor einer militärischen Einmischung. Moskau bezweifelt weiter, dass das syrische Regime Giftgas eingesetzt hat. Das sagte Russlands Präsident Wladimir Putin in einem Gespräch mit Cameron nach Angaben der Downing Street in London.