USA suchen nach Cyber-Attacke ausgerechnet Chinas Hilfe

Die USA wollen laut Medien ausgerechnet mit Chinas Hilfe gegen mutmaßlich von Nordkorea verübte Cyber-Attacken auf das Filmstudio Sony Pictures vorgehen.

«Wir haben den Fall mit den Chinesen diskutiert, um Informationen auszutauschen», zitierte das «Wall Street Journal» einen hochrangigen US-Regierungsbeamten. Die US-Sicherheitsbehörde FBI glaubt, eindeutige Hinweise dafür zu haben, dass Nordkorea dahintersteckt. Auslöser soll die Nordkorea-Satire «The Interview» sein, deren Kinopremiere nach den jüngsten Turbulenzen in den USA abgesagt wurde.

Gemeinsam mit China solle nach Wegen und Möglichkeiten gesucht werden, weitere ähnliche Attacken zu blockieren, zitiert die «New York Times» einen US-Beamten. Demnach laufe praktisch die gesamte Telekommunikation Nordkoreas über von China betriebene Netzwerke.

Pjöngjang wies die Anschuldigungen Washingtons vehement zurück und drohte seinerseits mit «ernsten Konsequenzen», sollten die USA ihren eigenen Vorschlag zu einer Zusammenarbeit ablehnen. «Wir können zeigen, dass wir mit dem Fall nichts zu tun haben», wurde ein Sprecher von den staatlich kontrollierten Medien zitiert.

Die US-Regierung schenkt der Unschuldsbeteuerung des weithin isolierten Landes keinen Glauben. «Die Regierung in Nordkorea hat eine lange Geschichte darin, die Verantwortung für destruktive und provokative Aktionen» abzustreiten, sagte Mark Stroh, Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA. Wenn Pjöngjang tatsächlich helfen wolle, sollte das Land seine Verantwortung zugeben und Sony für die entstandenen Schäden entschädigen. US-Präsident Barack Obama blieb Obama blieb in einem CNN-Interview eher vage und sprach von «Cybervandalismus» statt von «Cyberkrieg».

Bei der Attacke waren im November flächendeckend die Computersysteme von Sony Pictures angegriffen und gigantische Mengen an Daten gestohlen worden. Die Angreifer hatten auch Terrorakte für den Fall angedroht, sollte die Nordkorea-Satire in die Kinos kommen. In dem Film bekommen zwei US-Journalisten den Auftrag, den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un bei einem Interview zu töten. Nachdem zahlreiche Kinos aus dem Programm genommen hatten, wurde die geplante Premiere des Films in den USA abgesagt.

Das FBI ist nach Analysen der Angriffe überzeugt, klare Indizien für eine Beteiligung von Nordkorea entdeckt zu haben. Die eingesetzte Schadsoftware und die genutzte Internet-Infrastruktur zeige klare Verbindungen zu Nordkorea. Es gebe auch Ähnlichkeiten zu einer Attacke, die das Land im März gegen Banken und Medienhäuser in Südkorea gefahren haben soll.

Ehemalige Mitarbeiter von Sony Pictures ziehen gegen das Hollywood-Studio vor Gericht. In Sammelklagen werfen sie dem Unternehmen vor, trotz Warnzeichen und bereits erfolgten massiven Angriffen auf die Netzwerke des Unternehmens die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Die Angreifer hatten massenweise Daten von Mitarbeitern zu Sozialversicherung, Gesundheit und Gehältern geklaut. Für aktuelle und ehemalige Mitarbeiter sei das ein «epischer Alptraum», der mehr in einen Kinothriller als in das wirkliche Leben passe, zitiert der US-Sender CNN aus der Klage.