USA versorgen Kurden in Nordsyrien mit Waffen

Rund fünf Wochen nach Beginn der Belagerung von Kobane durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben US-Flugzeuge die dort kämpfenden Kurden erstmals mit Waffen versorgt.

Nahe der nordsyrischen Grenzstadt warfen C-130-Transportmaschinen mehrere Ladungen Waffen, Munition und medizinische Güter ab, wie das US-Zentralkommando in Tampa in der Nacht zum Montag mitteilte. Die Lieferungen seien von kurdischen Stellen im Irak zur Verfügung gestellt worden. Die Türkei erlaubt zudem erstmals irakischen Peschmerga-Kämpfern die Einreise nach Kobane, um die Verteidiger der Stadt zu verstärken. Im Irak selbst zogen sich IS-Kämpfer laut Medienberichten aus der Provinz Salaheddin nördlich der Hauptstadt Bagdad zurück.

Die syrischen Kurden bestätigten den Erhalt der US-Lieferung. «Eine große Menge Waffen und Munition hat Kobane erreicht», sagte ein Sprecher der Volksschutzeinheiten nach Angaben der kurdischen Agentur Welati. Der Leiter der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, sagte: «Ohne Zweifel wird die Ankunft der Waffen den Verlauf des Kampfes verändern.» Es seien leichte und mittelschwere Waffen, Maschinengewehre, panzerbrechende Waffen, Munition und medizinische Hilfsgüter geliefert worden.

Die Versorgung aus der Luft soll dazu beitragen, die Verteidigung der Stadt gegen den IS-Ansturm aufrechtzuerhalten. Zugleich setzen die USA laut der Mitteilung des US-Zentralkommandos ihre Luftangriffe gegen die Dschihadisten fort.

Demnach gab es bisher allein mehr als 135 solcher Angriffe gegen die extremistischen Angreifer bei Kobane (Arabisch: Ain al-Arab). Es gebe Hinweise darauf, dass diese Luftangriffe zusammen mit dem Widerstand am Boden den Vormarsch des IS auf die Stadt verlangsamt haben. Hunderte Kämpfer der Gruppe seien getötet sowie zahlreiche Ausrüstungsteile und Kampfstellungen zerstört oder beschädigt worden.

Hinzu kommt, dass die türkische Regierung kurdischen Peschmerga-Kämpfern aus dem Nordirak nun die Einreise nach Kobane erlauben will, um die dortigen syrisch-kurdischen Kämpfer zu unterstützen. Das gab Außenminister Mevlüt Cavusoglu in Ankara bekannt. Zugleich schloss er weiterhin jede direkte türkische Unterstützung für die syrisch-kurdische Partei PYD aus. Deren Volksschutzeinheiten (YPG) sind die Miliz der Partei, die eng mit der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden ist.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich am Wochenende gegen internationale Waffenlieferungen ausgesprochen. Die PYD sei aus Sicht der Regierung ebenso eine «Terrororganisation» wie die PKK, sagte Erdogan nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu. Niemand könne von der Türkei erwarten, solchen Waffenlieferungen zuzustimmen.

US-Präsident Barack Obama hatte am Wochenende mit Erdogan am Telefon die Lage in Syrien und besonders in Kobane besprochen. Es sei darum gegangen, wie der IS-Vormarsch gestoppt werden könne, teilte das Weiße Haus mit. Beide Präsidenten hätten zugesichert, im Kampf gegen den IS eng zusammenzuarbeiten.

YPG-Einheiten verteidigen seit fünf Wochen Kobane gegen die Radikalsunniten. Am Sonntag gelang es ihnen nach Angaben der syrischen Menschenrechtsbeobachter, sich in vom IS besetzte östliche Stadtteile vorzukämpfen.

Aus dem Irak hieß es, Dutzende IS-Anhänger hätten von ihnen kontrollierte Gebiete rund um die Stadt Tikrit in Richtung der Provinz Ninive im Norden des Landes verlassen. Das berichtete die unabhängige irakische Nachrichtenseite Al-Sumaria News unter Berufung auf örtliche Quellen. Die Region um das 160 Kilometer nördlich Bagdads gelegene Tikrit war in den vergangenen Tagen verstärkt von Flugzeugen der internationalen Allianz bombardiert worden.

Die irakische Armee rückt nach Angaben von Al-Sumaria News jedoch nur langsam in die Region vor, weil die Terrormiliz vielerorts Sprengfallen hinterlassen hat. Bei Gefechten am Sonntag seien insgesamt 40 IS-Kämpfer getötet und 18 Fahrzeuge der Miliz zerstört worden, sagte der Polizeichef der Provinz Salaheddin dem Nachrichtenportal Al-Mada. Zudem seien 30 Sprengsätze entschärft worden. Die IS-Extremisten waren Mitte Juni nach der Einnahme der nordirakischen Stadt Mossul über Tikrit in Richtung Bagdad vorgerückt.