USA werben im Anti-Terrorkampf um die Türkei

Nach den bisher stärksten Luftangriffen des internationalen Bündnisses auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben kurdische Kämpfer die Dschihadisten in Nordsyrien etwas zurückgedrängt.

Die Kurden konnten IS-Einheiten nach Angaben eines Aktivisten aus Teilen der Grenzstadt Kobane vertreiben. Auch die USA sprechen von Fortschritten und bemühen sich zugleich um eine größere Rolle der Türkei im Anti-Terror-Krieg.

US-Präsident Barack Obama betonte nach einem Strategietreffen mit mehr als 20 Militärchefs des Bündnisses gegen den IS, dass es zwar einige «wichtige Fortschritte» gegeben habe. Die Mitglieder der Koalition seien aber auf einen langen Krieg vorbereitet.

«Es gibt keine schnelle Lösung», sagte der Präsident. «Wir befinden uns noch in der frühen Phase. Wie bei jedem Militäreinsatz wird es Tage des Fortschritts und Perioden des Rückschritts geben. Aber unsere Koalition ist gemeinsam diesem Langzeit-Einsatz verpflichtet.»

US-Außenminister John Kerry sprach Ankara am Dienstagabend in Paris eine wichtige Rolle im weiteren Vorgehen gegen die Sunnitenmiliz IS zu. «Die Türkei ist ein sehr geschätzter Partner in der Koalition.» Er sei zuversichtlich, dass sie ihre Rolle «selber nach ihrem Zeitplan definieren wird».

Die USA fordern, dass die Türkei ihre Flugplätze für Luftangriffe auf den IS öffnet. Ankara verweigert das bislang. Sollte Kobane in die Hände von IS fallen, hätten die sunnitischen Extremisten einen durchgängigen Grenzstreifen von mehr als 200 Kilometern zur Türkei unter ihrer Kontrolle.

Zuvor hatten die USA mit Unterstützung Saudi-Arabiens die bisher stärksten Luftangriffe auf den IS ausgeführt. Nach Mitteilung des Zentralkommandos in Tampa (Florida) wurden am Montag und Dienstag nahe der schwer bedrängten Enklave Kobane 21 Angriffe geflogen. Dabei seien mehrere Sammelpunkte, Gebäude, Fahrzeuge und Mörserstellungen der Dschihadisten zerstört worden.

Das Strategietreffen in der Andrews-Kaserne wurde von US-Generalstabschef Martin Dempsey geleitet. Großbritannien, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Kanada, Australien sowie fünf arabische Staaten beteiligen sich in Syrien oder im Irak am Luftkrieg der USA gegen den IS. An den Gesprächen nahmen aber auch Vertreter von Staaten teil, die sich auf andere Weise engagieren, darunter Deutschland, das Waffen an die Kurden im Nordirak liefert.

Im Kampf gegen den IS suchen die USA auch die Zusammenarbeit mit Russland. Kerry sprach mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow in Paris über einen engeren Austausch von Geheimdiensterkenntnissen über die Islamisten.

Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew sieht wegen des Ukraine-Konflikts allerdings keine gute Basis für eine enge Zusammenarbeit mit Washington. Bei einer Rede über Gefahren für die Menschheit habe Obama jüngst Russland in einem Atemzug mit der Seuche Ebola und dem IS genannt. «Wie kann man also von einem Neubeginn (der Beziehungen) sprechen?», sagte Medwedew in einem Interview des US-Fernsehsenders CNBC, dessen Wortlaut das Regierungsamt in Moskau veröffentlichte.

Die vom Westen unterstützte syrische Exil-Opposition hat in Istanbul nach langwierigen Verhandlungen derweil Ahmed Toma als Premier ihrer Übergangsregierung bestätigt. Toma sei mit 63 von 115 Stimmen gewählt worden, teilte die Nationale Syrische Koalition (NSC) auf Twitter mit. Toma war bereits vor zehn Monaten zum Regierungschef einer von der NSC initiierten Gegenregierung zu Präsident Baschar al-Assad ernannt worden, blieb jedoch in den eigenen Reihen umstritten.