Vattenfall prüft Verkauf deutscher Braunkohlesparte

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall erwägt einen Verkauf seiner deutschen Braunkohlesparte in der Lausitz.

Der Verwaltungsrat habe entschieden, Optionen für eine nachhaltige und neue Eigentümerstruktur seines Braunkohlegeschäfts zu prüfen, teilte das Staatsunternehmen am Donnerstag mit. «Wir haben eine klare Strategie, unseren CO2-Ausstoß zu verringern und unser Unternehmen so umzuwandeln, dass sich sein Portfolio auf Erneuerbare konzentriert», erklärte Konzernchef Magnus Hall in Stockholm.

Zum Zeitplan für den möglichen Verkauf wollte ein Sprecher des Unternehmens in Deutschland zunächst nichts sagen. Er sprach von einem «ganz offenen Prozess». Mit Brandenburg und Sachsen will Vattenfall dabei laut Mitteilung einen «engen Dialog» führen.

Vor wenigen Wochen hatten die Länder das Unternehmen vor einem raschen Ausstieg aus der Lausitzer Braunkohle gewarnt, den die neue schwedische Regierung nach der Parlamentswahl im September angedeutet hatte. Braunkohle-Befürworter und Industriegewerkschafter sehen durch den Schritt Arbeitsplätze gefährdet und fürchten steigende Energiepreise. «Wir erkennen die aktuelle und zukünftige Bedeutung der Braunkohle-Generation für die lokale Wirtschaft und die deutsche Energiepolitik an», betonte Hall.

Der schwedische Energieriese ist wegen sinkender Preise und geringer Nachfrage in Nöten. Für das kommende Jahr hat sich Vattenfall ein noch strengeres Sparprogramm auferlegt als zunächst geplant und will 3 Milliarden Kronen einsparen. Das kündigte der Konzern an, nachdem er im dritten Quartal in die roten Zahlen gerutscht war. Das Unternehmen verbuchte auch durch hohe Abschreibungen einen Verlust von rund 18 Milliarden schwedischen Kronen (1,94 Mrd Euro). Auch der Umsatz ging leicht auf rund 34,7 Milliarden Kronen zurück.

«Vattenfall erlebt schwierige Marktbedingungen, mit einer schwachen Nachfrage, einem Überfluss an Erzeugungskapazität und historisch niedrigen Strompreisen», erklärte Hall in Stockholm. Seit 2010 setze das Unternehmen bei Neuinvestitionen nur noch auf erneuerbare Energieträger, sagte ein Vattenfall-Sprecher in Deutschland.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte die Prüfung des Verkaufs der deutschen Braunkohlesparte. Es sei zwar zu begrüßen, dass Vattenfall klimafreundlicher werden wolle, sagte Greenpeace-Energieexperte Karsten Smid in Hamburg. Aber dafür könne der Konzern das klimaschädliche Geschäft nicht einfach abstoßen: «Ein Verkauf löst das Problem nicht, sondern reicht es lediglich weiter.»