Verbraucherpreise in Euroländern sinken noch schneller

Der Ölpreis-Absturz lässt die Verbraucherpreise in den Euroländern noch schneller sinken. Im Januar lag das Preisniveau um 0,6 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat, teilte das Statistikamt Eurostat in Luxemburg mit.

Verbraucherpreise in Euroländern sinken noch schneller
Marius Becker Verbraucherpreise in Euroländern sinken noch schneller

Ein solcher Rückgang war zuletzt im Juli 2009 verzeichnet worden, als die Inflationsrate infolge der Wirtschaftskrise sank. Der Wert war und ist der stärkste Preisrückgang seit Bestehen der Eurozone.

Die Zahlen dürften die Notenbank in ihrer Absicht bestärken, Wachstum und Inflation mit einer gewaltigen Geldschwemme anzuschieben. Es herrscht die Sorge, dass der Preistrend in eine Deflation abkippt - eine gefährliche Spirale aus sinkenden Preisen und schrumpfender Wirtschaft.

«Der Einbruch der Ölpreise ist ein Segen für die lahmende Konjunktur im Euroraum», schrieben Analysten der Commerzbank. «Die Verbraucher müssen weniger für Energie ausgeben und haben mehr Geld für andere Dinge.»

Im Dezember hatte das Minus bei der jährlichen Inflationsrate erst 0,2 Prozent betragen. Damals war die Rate erstmals seit der schweren Wirtschaftskrise 2009 im Jahresvergleich gesunken.

Der Preisverfall wurde im Januar in erster Linie durch stark fallende Energiepreise verursacht. Im Vergleich zum Vorjahr mussten Verbraucher 8,9 Prozent weniger für Energie ausgeben. Der Ölpreis hatte sich seit vergangenen Sommer mehr als halbiert. Unverarbeitete Nahrungsmittel waren 0,9 Prozent billiger als vor einem Jahr, Industriegüter 0,1 Prozent günstiger. Nennenswerten Preisauftrieb gab es nur bei Dienstleistungen, die sich um 1,0 Prozent verteuerten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt für den gesamten Euroraum eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an. Dieses Ziel verfehlt sie seit Anfang 2013. Die EZB und Experten rechnen mit weiter sinkenden Preisen.

Vor gut einer Woche hatte die EZB deshalb beschlossen, ab März Staatsanleihen und andere Wertpapiere für 60 Milliarden Euro je Monat zu kaufen. Insgesamt ergibt sich eine Summe von mehr als einer Billion Euro, die in das Finanzsystem gepumpt werden soll. Ob dies hilft, um Konjunktur und Preisauftrieb anzuregen, ist unter Volkswirten sehr umstritten.