Verdi weitet Streiks bei Amazon aus: Erstmals an drei Standorten

Erstmals haben Beschäftigte des Online-Versandhändlers Amazon gleich an drei Standorten in Deutschland gestreikt und den Druck im Weihnachtsgeschäft erhöht.

Verdi weitet Streiks bei Amazon aus: Erstmals an drei Standorten
Uwe Zucchi Verdi weitet Streiks bei Amazon aus: Erstmals an drei Standorten

Am größten deutschen Standort in Bad Hersfeld, in Leipzig und erstmals auch im bayerischen Graben bei Augsburg legten Hunderte Beschäftigte am Montag die Arbeit nieder, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte. Ziel ist ein Tarifvertrag gemäß des Einzel- und Versandhandels.

Laut Amazon beteiligten sich weniger als 640 Mitarbeiter an den drei Standorten. Weil die große Mehrheit regulär gearbeitet habe, habe es keinerlei Verzögerung bei der Zustellung gegeben. «Unsere Kunden können sich selbstverständlich weiterhin auf die rechtzeitige Zustellung ihrer Weihnachtsgeschenke verlassen», so Amazon.

«Wir arbeiten weiter an einer Vernetzung mit anderen bei Amazon und wollen strategisch noch mehr Standorte einbeziehen. Wir behalten uns vor, weiter zu eskalieren», sagte Heiner Reimann von Verdi Hessen. Nach seinen Angaben beteiligten sich allein in Bad Hersfeld 500 Arbeiter der beiden Versandlager an dem ganztägigen Streik. Zudem reise eine Verdi-Delegation nach Seattle, um vor dem Firmensitz des US-Branchenriesen zu demonstrieren.

«Die Beschäftigten bei Amazon leisten hervorragende Arbeit, die vor Weihnachten in Höchstleistungen ausartet. Da ist es nur recht und billig, dass ein Konzern seinen Mitarbeitern Verbindlichkeit und Sicherheit durch Tarifbindung und angemessene Bezahlung bietet», erklärte Streikleiter Thomas Gürlebeck in Graben. Dort versammelten sich laut Streikleiter Hubert Thiermeyer am Vormittag mehr als 350 Mitarbeiter. «Die Stimmung ist kämpferisch, die Menschen haben Existenzängste.»

In Leipzig rechnete Verdi im Tagesverlauf mit 500 Teilnehmern. «Wir haben vor, die ganz Woche zu streiken. Die Stimmung ist richtig gut. Wir haben ein Festzelt als Streiklokal aufgestellt», sagte Streikleiter Thomas Schneider. Die Leipziger Mitarbeiter freuten sich, dass mit Graben ein weiterer Standort hinzugekommen ist.

Der Regionalgeschäftsführer des Leipziger Versandzentrums, Armin Cossmann, sagte dem Radiosender MDR Info mit Blick auf die Streikenden: «Uns macht das Wetter mehr Sorgen, wir sind sehr gut vorbereitet. Was man eben auch dabei wissen muss, dass es immer noch der deutlich kleinste Teil der Kollegen ist, die sich dafür entschieden haben zu streiken.»

Amazon lehnt einen Tarifvertrag nach den Bedingungen des Einzel- und Versandhandels kategorisch ab und orientiert sich an den günstigeren Konditionen der Logistikbranche. Deswegen kommt es seit dem Sommer deutschlandweit immer wieder zu Streiks. Bei Amazon arbeiten bundesweit rund 9000 Mitarbeiter in acht Versandzentren, unterstützt werden sie von 14 000 saisonalen Aushilfen.