Vergewaltigungsvorwürfe gegen Bill Cosby

Wer in den USA in diesen Tagen an einem Zeitschriftenstand vorbeigeht, wird auf jeder zweiten Titelseite von demselben Mann angeblickt.

Vergewaltigungsvorwürfe gegen Bill Cosby
Frank Franklin Ii / Pool Vergewaltigungsvorwürfe gegen Bill Cosby

Es ist Bill Cosby, der 77 Jahre alte Komiker, der in den 1980er Jahren mit der freundlichen Familienserie «The Cosby Show» dafür gesorgt hat, dass sich Millionen weiße Amerikaner erstmals mit einer schwarzen Mittelschicht auseinandersetzten. Doch gegen Cosby werden nun zum erneuten Male Vergewaltigungsvorwürfe laut. «Skandal und Schock» lautet die Schlagzeile deshalb bei «People». «Was Cosby verschweigt», kündigt das Tratschblatt «Us» an.

Und nun gibt es gegen den Star laut US-Medienberichten eine erste Klage wegen sexuellen Missbrauchs. Sollte es nicht wie in früheren Fällen zu einer außergerichtlichen Einigung kommen, muss sich Cosby in einem Prozess gegen die Anschuldigungen wehren. Zwar hatte bereits 2005 eine Frau Anklage erheben wollen, doch der Fall wurde 2006 gegen Zahlung eines Betrags in unbekannter Höhe zu den Akten gelegt.

Nun berichten US-Medien von dem neuen Fall, in dem eine 55 Jahre alte Frau ihre Klage am Los Angeles Superior Court eingereicht habe. Sie wirft Cosby vor, sie vor 40 Jahren in einem Schlafzimmer im Haus von «Playboy»-Gründer Hugh Hefner in Los Angeles missbraucht zu haben. Die Frau gibt an, damals erst 15 gewesen zu sein. Sie habe aber erst vor drei Jahren erkannt, wie sehr sie das Erlebnis traumatisiert habe - weshalb der Fall nicht verjährt wäre.

Inzwischen sind es Berichten zufolge rund 20 Frauen, die Cosby öffentlich schwere Vorwürfe machen. Sie beschreiben sein angebliches Vorgehen oft ähnlich: Erst habe er sich zu ihnen wie ein Mentor verhalten, sie dann mit Alkohol und Tabletten willenlos gemacht, bevor es zu sexuellen Übergriffen gekommen sei. Die Taten sollen zum Teil fast 50 Jahre zurückliegen. Cosby bestreitet jeden Fall über seinen Anwalt vehement.

Und tatsächlich verläuft die aktuelle Diskussion in den USA trotz der vielen Titelstorys noch recht zurückhaltend. Zu sehr hat Cosby das Image als freundlicher Familienvater inne. «America's Dad», lautete sein Spitzname: «Amerikas Papa». Hinzu kommt, dass der Skandal bisher vor allem auf Anschuldigungen beruht. Gesprochene Urteile gibt es noch keine.

Für Cosbys Karriere werden die Vorwürfe trotzdem mehr und mehr zum Problem. Der große Fernsehsender NBC hat die Entwicklung einer neuen Serie abgesagt, Wiederholungen der «Cosby Show» sind gestrichen, einen Sitz im Kuratorium der Temple University in Philadelphia hat der Komiker abgegeben. Wie geplant will er am Nikolaustag in einem Vorort von New York auftreten. Karteninhaber wurden aber zuvor angeschrieben und bekamen die Möglichkeit, ihre Tickets zurückzugeben. Die Amerikanern können sich noch selbst ein Bild von ihrem bisherigen Idol machen.