Verletzte und Bahn-Chaos durch Orkanböen in Deutschland

Heftige Orkanböen haben in Deutschland erhebliche Schäden angerichtet und mehrere Menschen verletzt. Der Sturm «Elon» blockierte gleich drei Hauptrouten der Bahn - Tausende Reisende waren davon betroffen.

Verletzte und Bahn-Chaos durch Orkanböen in Deutschland
Carsten Rehder Verletzte und Bahn-Chaos durch Orkanböen in Deutschland

Zwei Mädchen wurden auf einem Hamburger Schulhof von einem umstürzenden Baum getroffen und kamen in ein Krankenhaus. Auch bei wetterbedingten Unfällen auf Straßen und Gewässern gab es Verletzte. Starke Stürme kappten in Schottland die Stromversorgung von etwa 100 000 Menschen.

Umgestürzte Bäume blockierten am Nachmittag die Bahngleise. Die Fernverkehrsstrecken Hamburg-Hannover, Hamburg-Berlin und Hamburg-Bremen waren gesperrt, wie die Bahn mitteilte. Damit war auch die ICE-Linie über Kassel nach Frankfurt und München unterbrochen. «Züge aus dem Süden kommen zurzeit nicht weiter als bis Hannover, Züge aus dem Norden nur bis Bremen und Züge aus dem Süden über Leipzig nur bis Berlin», sagte ein Bahnsprecher.

Stürme und Orkane halten Deutschland auch die nächsten Tage fest im Griff. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist frühestens Ende der kommenden Woche mit einer Beruhigung zu rechnen. Ursache dafür ist ein riesiges Zentraltief über Island («Christian»), das immer wieder kleinere Tiefdruckgebiete nach Europa schickt.

Die beiden in Hamburg schwer verletzten Mädchen sind Schülerinnen einer sechsten Klasse. Ein weiteres Kind wurde mit einem Schock ins Krankenhaus gebracht, wie ein Feuerwehrsprecher sagte. Ein Notfallseelsorger betreute Schüler und Lehrer. Der Baum war durch eine Windböe auf den Schulhof gestürzt. Im brandenburgischen Prenzlau musste eine Grundschule evakuiert werden, nachdem der Sturm das Dach weggefegt hatte. Keiner der rund 300 Schüler wurde verletzt.

Die Hamburger Feuerwehr musste zu Hunderten von Einsätzen ausrücken. Nach Angaben eines Sprechers knickte ein Baum nach dem anderen um. Autos wurden darunter begraben. In Trittau (Schleswig-Holstein) wurden zwei Männer verletzt, als ein Baum auf ihren Kleinbus stürzte. An den Küsten durften viele Fähren nicht mehr auslaufen.

Polizei und Feuerwehr waren auch in Sachsen-Anhalt im Dauereinsatz. Orkanböen mit bis zu 160 Stundenkilometern fegten über den höchsten Berg Norddeutschlands, den 1141 Meter hohen Brocken. In Berlin brach der Fußball-Bundesligist Hertha BSC wegen des Unwetters das Training ab. Die Mannschaft verließ fluchtartig den Platz.

Die Stadt München verschickte wegen befürchteter Orkanböen per Katastrophenwarnsystem «Katwarn» eine Unwetterwarnung an die Handys registrierter Bürger. Das Bayerische Landesamt für Umwelt ging davon aus, dass sich «die Hochwasserlage am Wochenende deutlich verschärfen» wird. Das gelte vor allem für den Bayerischen Wald.

Auch Nordrhein-Westfalen wappnet sich für ein Sturmwochenende. In Köln wurde am Freitag die Domplatte abgeriegelt, um Passanten vor möglicherweise herabfallenden Steinen zu schützen. In Düsseldorf ordnete das Gartenamt vorsorglich die Schließung der Friedhöfe und eines Wildparks an. Für Samstag wurden die Wochenmärkte abgesagt.

Wetterchaos in Großbritannien: Im Norden des Landes waren rund 100 000 Haushalte zwischenzeitlich vom Stromnetz abgeschnitten. Am schwersten betroffen waren die Highlands und die schottischen Inseln. Viele Schulen und Kindergärten blieben geschlossen. Wetterwarnungen der Meteorologen betrafen auch die Großstädte Edinburgh und Glasgow.

In Tschechien fuhr ein Schnellzug bei Zelezna Ruda (Markt Eisenstein) auf einen umgestürzten Baum. Verletzt wurde niemand.

Orkane sind im Januar nichts Ungewöhnliches, wie der DWD betonte. «Das ist sogar recht typisch, weil die Temperaturunterschiede zwischen den Polen und den Tropen dann am größten sind - und die werden ausgeglichen», sagte ein Meteorologe. Die Folge: Es entstehen starke Tiefdruckgebiete, die auf ihrer Vorderseite warme Luft von der Äquatorregion zu den Polen schieben und dabei Deutschland streifen. Deswegen wird es bei Sturmwetter auch so warm. Auf ihrer Rückseite zieht dann kalte Luft nach - es folgt ein Temperatursturz.