Verschnaufpause für Barça, aber weiter Messi-Sorgen

Ein Kantersieg im Pokal hat dem von sportlichen Problemen und internen Querelen erschütterten FC Barcelona eine Verschnaufpause verschafft.

Diese könnte nach dem 5:0 im Achtelfinal-Hinspiel gegen den FC Elche jedoch von kurzer Dauer sein, wenn am Sonntag im Camp-Nou-Stadion gegen Meister und Titel-Konkurrent Atlético Madrid in der Liga kein Erfolg gelingen sollte. Schon ein Remis könnte Trainer Luis Enrique nach dem von Medien enthüllten Konflikt mit Superstar Lionel Messi den Job kosten. «Das Spiel am Sonntag ist immens wichtig, aber ich habe keine Angst um meinen Arbeitsplatz», versicherte der Coach.

Wie schwach die Position von Luis Enrique tatsächlich ist, wurde am Donnerstagabend deutlich. Trotz der guten Leistung gegen den Erstliga-Letzten und Tore von Neymar (35./60.), Suárez (40.), Messi (45./Elfmeter) und Jordi Alba (56.) wurde der Coach von vielen der 27 099 Zuschauer (Saisonminusrekord) ausgepfiffen. Fans hielten Plakate mit Aufschriften wie «Es gibt nur einen König: Messi» hoch.

Zu allem Übel wurde der Trainer von einigen seiner Profis - mit denen er nach eigenem Bekunden «überhaupt keine Probleme» hat - öffentlich demontiert. Neymar ging bei seiner Auswechslung in der 66. Minute gegen Pedro kopfschüttelnd vom Platz und verweigerte dem Coach den Gruß. Abwehrmann Marc Bartra verkündete: «Unser Führer ist Messi.» Für Francesc Perearnau, den Vizedirektor von «Mundo Deportivo», steht fest: «Die einzige Lösung ist die Entlassung von Luis Enrique.»

Die Probleme zwischen dem als «Dickkopf» kritisierten Coach und den Profis sollen schon kurz nach der Amtsübernahme von Luis Enrique im Sommer begonnen haben. Zum Knall kam es aber am vorigen Wochenende, als man durch eine 0:1-Pleite in San Sebastián den Sprung an die Ligaspitze verpasste. Messi und Neymar wurden erst in der zweiten Hälfte eingewechselt. Medien berichteten von Beleidigungen und Drohungen in der Kabine. Der wegen Fehleinkäufen und der vom Weltverband FIFA verhängten Transfersperre umstrittene Präsident Josep Bartomeu entließ Sportdirektor Andoni Zubizarreta. Er kündigte auch vorgezogene Wahlen an. Ruhe kehrte aber nicht ein.

Nach seinem Elfmetertor gegen Elche kurz vor der Pause warf Messi den laut jubelnden Fans Küsse zu. «Wenn es einen Krieg gibt, dann hat Luis Enrique ihn verloren», schrieb die Sportzeitung «Marca». Dennoch nimmt die Sorge um die Zukunft von Messi zu. Ein Bericht der britischen Zeitung «Star Sport», wonach Chelsea bereit sei, die Ausstiegsklausel in Höhe von 250 Millionen zu ziehen, war Freitag in Barcelona in aller Munde. Man weiß: Dem vierfachen Weltfußballer ist nicht nur Luis Enrique ein Dorn im Auge. Eine Steueraffäre, die vermeintlich geringe Unterstützung der Clubführung und die jüngste Titelflaute ärgern den 27-jährigen Vizeweltmeister auch mächtig.