Versöhnliches Ende einer schwachen Börsenwoche

Der Dax hat eine schwache Woche versöhnlich beendet. Die deutlich erholten Ölpreise, die als Indikator für die Einschätzung der Weltkonjunktur gelten, begünstigten laut Analyst Mike van Dulken vom Broker Accendo Markets die Risikobereitschaft der Anleger.

Versöhnliches Ende einer schwachen Börsenwoche
Fredrik Von Erichsen Versöhnliches Ende einer schwachen Börsenwoche

Selbst der etwas anziehende Euro, der ungünstig für deutsche Exporte in Länder außerhalb des Währungsraums ist, trübte die Stimmung kaum.

Der deutsche Leitindex baute seine anfänglichen Gewinne aus. Zum Schluss behauptete er nach zwischenzeitlich noch höheren Kursen ein Plus von 0,96 Prozent auf 9622,26 Punkte. Der Wochenverlust schmolz damit auf 1,76 Prozent zusammen - es war allerdings die dritte negative Woche in Folge.

Der Index der mittelgroßen Werte MDax gewann 1,35 Prozent auf 20 170,51 Punkte. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 0,92 Prozent auf 1635,29 Punkte hoch. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg um 1,41 Prozent auf 2911,98 Punkte. Auch die nationalen Indizes in Paris und London legten deutlich zu. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial notierte zum europäischen Handelsende gut ein halbes Prozent im Plus.

Gute deutsche Exportdaten hätten den europäischen Indizes ebenfalls auf die Sprünge geholfen, nachdem auch von den asiatischen Börsen kein weiteres Ungemach gekommen sei, erklärte Händler Markus Huber vom Broker City of London Markets die Kurserholung. Er sieht den Fokus der Investoren weiter auf die globalen Wachstumssorgen gerichtet. Die heutige Börsenerholung beruhe ausschließlich auf der Ölpreisentwicklung, gab Jasper Lawler von CMC Markets zu bedenken. Sie stehe vor dem Treffen wichtiger Produzenten in Doha aber auf tönernen Füßen, da diese sich kaum auf eine Förderbegrenzung einigen dürften.

Für Erleichterung sorgte auch die Erholung der Bankaktien, die im bisherigen Wochenverlauf noch zu den größten Verlierern gezählt hatten. So hatten die Papiere des heimischen Branchenprimus Deutsche Bank mit einem Rückschlag um knapp 8 Prozent im widrigen Umfeld niedriger Zinsen, teurer Rechtsstreits und hausgemachter Probleme wieder auf ihr Rekordtief aus dem Februar zugesteuert. Sie stiegen um 1,78 Prozent.

Ebenfalls gefragt waren Commerzbank-Aktien, die nach minus 4 Prozent im vorherigen Wochenverlauf mit nun plus 3,11 Prozent kräftig aufholten. Ausgerechnet die Deutsche-Bank-Experten setzten die Papiere des Wettbewerbers wegen der «verkannten Ertragsstory» auf ihre Empfehlungsliste deutscher Aktien.

Eine Studie lenkte die Aufmerksamkeit auf die Papiere von Axel Springer, die um 7,98 Prozent anzogen und damit die MDax-Gewinnerliste anführten. Erstmals seit 8 Jahren sprachen die Experten der US-Investmentbank JPMorgan wieder eine positive Empfehlung für die Anteile des Medienkonzerns aus. Springer habe einen Wendepunkt in seinem Wandel weg vom klassischen Printgeschäft erreicht, begründete Analyst Marcus Diebel seine Einschätzung.

An der TecDax-Spitze verteuerten sich die Papiere des 3D-Drucker-Herstellers SLM Solutions nach einer Kaufempfehlung der Investmentbank HSBC um 9,76 Prozent. Der Indexneuling aus Lübeck halte die technologische Führerschaft in der revolutionären 3D-Metalldruck-Technik und dürfte in den kommenden Jahren schneller wachsen als die aufstrebende Branche, schrieb Analyst Philip Saliba.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 0,02 Prozent am Vortag auf 0,01 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,06 Prozent auf 142,52 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,05 Prozent auf 164,31 Punkte. Der Euro kletterte zuletzt wieder über die Marke von 1,14 US-Dollar. Davor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,1363 (Donnerstag: 1,1364) Dollar festgesetzt; der Dollar kostete damit wie am Vortag 0,8800 Euro.