Verstörende Trump-Aussage: Aufruf zu Gewalt gegen Clinton?

Donald Trump hat mit einer mehrdeutigen Äußerung erneut einen Aufschrei in den USA ausgelöst. Clinton wolle den zweiten Verfassungszusatz abschaffen, in dem das Recht auf Waffenbesitz verankert ist, sagte Trump in Wilmington.

Verstörende Trump-Aussage: Aufruf zu Gewalt gegen Clinton?
Michael Reynolds Verstörende Trump-Aussage: Aufruf zu Gewalt gegen Clinton?

Als Präsidentin wäre sie bei der Abschaffung nicht aufzuhalten, da sie entsprechende Richter für den Obersten Gerichtshof nominieren könne, sagte er und fügte hinzu: «Da kann man nichts machen, Leute. Obwohl - (es gibt da) die Leute des Zweiten Verfassungszusatzes, vielleicht gibt es doch etwas (das man tun kann). Ich weiß es nicht.»

Die Äußerung wurde beim politischen Gegner, in der eigenen Partei und in Medien auch als Aufruf interpretiert, Gewalt gegen Hillary Clinton anzuwenden. Paul Ryan, als Vorsitzender des Abgeordnetenhauses derzeit ranghöchster Politiker der Republikaner, sprach von einem «schiefgegangenen Witz». Trump müsse das aus der Welt schaffen.

Trump selbst erklärte auf Fox News, er habe die Bewegung einen wollen, die den zweiten Verfassungszusatz verteidige. Auf Twitter schrieb er am Mittwoch: «Was ich meinte, war: Die Verteidiger des zweiten Verfassungszusatzes müssen sich zusammentun und wählen gehen.»

Das Lager von Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton reagierte wutentbrannt. «Dies ist eine einfache Sache - was Trump sagt, ist gefährlich», sagte der Wahlkampfmanager der Demokraten-Kandidatin, Robby Mook, in einer Mitteilung. «Eine Person, die das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten anstrebt, sollte in keiner Form zu Gewalt anregen.»

In Sozialen Netzwerken entwickelte sich ein Sturm der Entrüstung. Bernice King, die jüngste Tochter des 1968 ermordeten Bürgerrechtlers Martin Luther King, nannte Trumps Äußerungen auf Twitter «verstörend und gefährlich». Der frühere Republikaner-Politiker und heutige Fernsehmoderator Joe Scarborough forderte die Republikaner in einem Gastbeitrag für die «Washington Post» auf, Trump als Kandidaten fallen zu lassen. «Eine blutige rote Linie ist überschritten.»

Die im Jahr 2011 durch einen Kopfschuss schwer verletzte Kongressabgeordnete der Demokraten, Gabrielle Giffords, twitterte, Trump erstaune die Amerikaner zwar ständig, man müsse aber eine Grenze zwischen politischer Rede und Anregung zu Gewalt ziehen. Wenn Kandidaten Gewalt bejahten, «sollten wir befürchten, dass Gewalt folgt».

Bereits in den vergangenen Wochen hatte sich innerhalb der Republikanischen Partei Widerstand gegen Trump formiert. Erst am Montag hatten ihn 50 Außen- und Sicherheitsexperten der Republikaner in einem offenen Brief scharf kritisiert. Mehrere Senatoren, frühere Senatoren und Parteifunktionäre verweigerten ihm bereits die Gefolgschaft.