Vettel und Red Bull: Große Liebe längst erloschen

Noch zwei nervige Rennen, dann ist es endlich überstanden und vorbei. Nach fünf märchenhaften Jahren mit vier WM-Titeln als Krönung war die aktuelle Formel-1-Saison mit Red Bull für Sebastian Vettel zuletzt nur noch reine Quälerei.

Vettel und Red Bull: Große Liebe längst erloschen
Srdjan Suki Vettel und Red Bull: Große Liebe längst erloschen

Der Top-Pilot und das Team sehnen das Ende förmlich herbei. Die einst große Liebe ist längst erloschen und beide Seiten bemühen sich teilweise krampfhaft, wenigstens den Schein zu wahren und die Trennung mit Anstand zu vollziehen. Längst ist klar, dass Vettel 2015 für Ferrari fahren wird. Nur die förmliche Bestätigung fehlt noch, weil erst die letzten Details für Fernando Alonsos Abschied von der Scuderia geregelt werden müssen. Und in Daniil Kwjat steht der Nachfolger des deutschen Super-Stars bereits fest. Das russische Talent wird wie einst Vettel vom B-Stall Toro Rosso in den A-Stall Red Bull befördert.

Schon bevor Vettel seinen längst vermuteten Abschied von Red Bull in Suzuka offiziell bekanntgab, hatte es zwischen ihm und seinem langjährigen Förderer gekriselt. Angesichts ausbleibender Erfolge und der doppelt frustrierenden Dominanz seines anfangs allgemein unterschätzten neuen Teamkollegen Daniel Ricciardo meckerte der Titelverteidiger aus Heppenheim immer häufiger über ein schlechtes Auto, Strategiefehler und alles Mögliche.

«Man schickt mich an die Front, aber ich habe das Gefühl, einen Holzknüppel in der Hand zu haben», lästerte der einstige Seriensieger beispielsweise nach einem enttäuschenden fünften Platz in Spa-Francorchamps. Ricciardo feierte beim Großen Preis von Belgien hingegen seinen dritten von bislang drei Saisonsiegen. Zuletzt in Austin maulte Vettel nach Rang sieben und Ricciardos Podestplatz: «Man hätte auch eine andere Strategie wählen können.»

Die Red-Bull-Verantwortlichen standen dem Dauerstänkerer indes in nichts nach. Der einflussreiche Motorsport-Berater Helmut Marko, der zum allmächtigen Konzernpatron Dietrich Mateschitz den engsten Draht hat, ätzte etwa, bei der Suche nach dem Vettel-Nachfolger habe man «nur zehn Minuten» gebraucht.

Dass bei den beiden abschließenden Rennen in Brasilien und in Abu Dhabi wieder Friede, Freude, Eierkuchen herrscht, ist unwahrscheinlich. Nur ein Sieg im Autódromo José Carlos Pace an diesem Sonntag (Start: 17.00 Uhr) oder zwei Wochen später in der Wüste könnte Vettels triste Stimmung aufhellen. Aber angesichts der erdrückenden Mercedes-Dominanz und der team-internen Vorherrschaft Ricciardos spricht nichts dafür.

Der australische Dauergrinser profitierte als einziger Pilot von den wenigen technischen Defekten, folgenschweren Zweikämpfen oder Fehlern des ansonsten haushoch überlegenen Silberpfeilduos Lewis Hamilton und Nico Rosberg bei seinen drei Erfolgen. Zudem konnte Vettel Ricciardo in bislang 17 Rennen nur viermal schlagen. Magere vier Podestplätze, darunter der zweite Rang in Singapur, sind für den vierfachen Champion ebenfalls desaströs. Vettel muss sich wohl damit abfinden, dass er erstmals seit 2008, als er erstmals eine komplette Grand-Prix-Saison bestritt, ohne Sieg bleiben dürfte.

Das aktuelle Kräfteverhältnis zugrunde gelegt, spricht aber auch nichts dafür, dass es für Vettel bei Ferrari besser laufen wird. Die Scuderia sammelte mit den beiden hoch gehandelten Ex-Champions Alonso und Kimi Räikkönen nur gut halb so viele Punkte wie das Red-Bull-Duo. In der Konstrukteurs-Wertung liegt Ferrari vor dem 18. Saisonrennen nur auf Rang vier. Vettel und Alonso rangieren in der Fahrer-WM punktgleich auf Platz fünf. Vettel könnte also sportlich vom Regen in die Traufe kommen.

Zudem muss Alonsos Ausstieg erst noch perfekt sein. «Ich mache mir natürlich so meine Gedanken. Aber noch weiß ich nicht, für wen ich im kommenden Jahr fahren werde», sagte der Spanier, dem es sichtlich Spaß macht, die Scuderia und seinen deutschen Widersacher zappeln zu lassen. Dabei gilt es als sicher, dass der zweifache Weltmeister zu McLaren zurückkehrt. Honda lockt Alonso mit Millionen. Und Vettel hat seinen Vertrag bei den «Roten» wohl längst unterschrieben.