Vettels enttäuschender Red-Bull-Abschied

Die letzte Dienstfahrt im Red Bull war für Sebastian Vettel eine echte Qual. Als abgeschlagener Achter beendete der viermalige Formel-1-Weltmeister in Abu Dhabi sein Abschiedsrennen für den Rennstall, der ihn seit der Jugend gefördert und bei dem er zum Dauersieger gereift war.

Vettels enttäuschender Red-Bull-Abschied
Ali Haider Vettels enttäuschender Red-Bull-Abschied

Weil sein Arbeitgeber regelwidrige Frontflügel an sein Auto geschraubt hatte, musste Vettel aus der Boxengasse starten und hatte nie eine echte Chance auf einen Podiumsplatz. «Ich habe nicht die beste Laune», räumte Vettel ein, der in der Fahrerwertung sieglos nur Fünfter wurde.

Zu den Klängen von «Marmor, Stein und Eisen bricht» hatte Vettel seiner Crew bereits vor dem Start «Auf Wiedersehen» gesagt, Umarmungen und Schulterklopfer inklusive. «Ich bin mir sicher, er wird noch lange Zeit ein Freund bleiben», sagte Teamchef Christian Horner.

Schon zu Beginn des Abu-Dhabi-Ausflugs hatte Vettel öffentlich mit dem Kapitel Red Bull abgeschlossen, als sein Wechsel zu Ferrari nach wochenlangen Spekulationen verkündet wurde. Der 27-Jährige wirkte befreit, voller Vorfreude auf die neue Herausforderung als später Erbe seines Vorbilds Michael Schumacher. «Das war keine Entscheidung gegen Red Bull, sondern für meine Zukunft», versicherte Vettel.

Doch die Trennung verlief keineswegs im besten Einvernehmen. Vettels Bitte um eine vorzeitige Freigabe aus seinem bis 5. Dezember laufenden Vertrag, um schon vorher in Abu Dhabi für Ferrari testen zu können, verweigerte Red Bull. «Das ist schade. Erst war es erlaubt, dann doch nicht. Ich glaube, die Techniker hatten Panik, dass ich Geheimnisse ausplaudere», verriet Vettel hörbar verärgert. «Wenn Sebastian nur ein paar Tage nach dem letzten Rennen in einem Ferrari sitzt, hat er einen direkten Vergleich. Da ist der Hintern-Faktor noch frisch», begründete Red-Bull-Berater Helmut Marko das Verbot.

Die Frustsaison 2014 mit Pannen und Pech vom ersten Testtag an hat die einstige Erfolgs-Ehe zerrüttet. Den einstigen Seriensieger Vettel nervten die Schwächen seines RB10 gewaltig. «Mit Sicherheit war es ein schwieriges Jahr, weil ungefähr alles schiefging, was schiefgehen konnte», klagte der Heppenheimer in Abu Dhabi.

Die Teamspitze reagierte zunehmend irritiert auf die öffentlichen Vorwürfe ihrer Nummer 1. Als Vettel in Japan seinen Abschied verkündete, erklärte sein früherer Förderer Marko spitz, man habe «in zehn Minuten» den Russen Daniil Kwjat als Nachfolger gefunden. Auch Team-Besitzer Dietrich Mateschitz ließ wissen, er habe keine Notwendigkeit gesehen, Vettel aufzuhalten, und verwies kühl auf «sehr hohe finanzielle Einsparungen» durch dessen Weggang.

Bei Ferrari wird Vettel dagegen wie ein Heilsbringer empfangen. «Er ist ein extrem harter Arbeiter, demütig, diszipliniert», lobte Teamchef Marco Mattiacci den Neuzugang. Die Frage ist allerdings, ob Mattiacci noch seinen Posten hat, wenn Vettel den Dienst antritt. In Abu Dhabi verdichteten sich die Gerüchte, dass der Rennleiter nach nur sieben Monaten wegen Erfolglosigkeit wieder gehen muss. Eins steht in jedem Fall fest: Einfacher wird es für Sebastian Vettel im kommenden Jahr eher nicht.