VfB Stuttgart stark, aber ohne Lohn

Selbst die fünfte Niederlage im fünften Bundesliga-Spiel quittierten die Zuschauer mit Applaus für die Fußballprofis des VfB Stuttgart.

«Das ist erstaunliches Fingerspitzengefühl, das die Fans beweisen», bemerkte Sportvorstand Robin Dutt nach dem völlig unverdienten 0:1 (0:0) gegen den FC Schalke 04.

Trotz eines Dutzend hochkarätiger Chancen für die Gastgeber entschied ein Kontertor von Schalkes Leroy Sané die Partie (53. Minute). «Nach so einem Spiel nicht einfach nur notorisch ihre Wut über das Ergebnis rauszulassen, sondern eine Leistung anzuerkennen: Das ist nicht selbstverständlich», sagte Dutt.

Die vereinzelten Pfiffe verstummten spätestens, als Kapitän Christian Gentner das Team vor der Cannstatter Kurve zu einem Kreis versammelte und eindringlich auf sie einredete. Er habe gesagt, «dass nicht alles so schlecht sein kann, wenn wir nach fünf Niederlagen Applaus bekommen», berichtete Gentner, stellte aber klar: «Am Ende wird abgerechnet nach Punkten. Die fehlen uns.»

Die dritte Heimniederlage der Saison - so schlecht war ein Stuttgarter Bundesliga-Start noch nie - stand erneut im krassen Gegensatz zur Leistung. «Wir konnten uns zwischendurch das Lachen auf der Bank nicht verkneifen. Das war heute ein mehr als glücklicher Sieg», sagte Schalke-Trainer André Breitenreiter, der sich zudem über das Comeback von Weltmeister Benedikt Höwedes freute. «Die Stuttgarter haben heute eine bärenstarke Leistung gezeigt.» Dankbar war der Coach vor allem seinen Torhüter Ralf Fährmann: «Weltklasse gehalten.»

Matchwinner neben Fährmann war Sané. Ein langer Ball aus der eigenen Hälfte sicherte der 19-Jährige im Laufduell mit dem bis dato stark spielenden Florian Klein. Eine Körpertäuschung reichte, um den Nationalspieler Österreichs stehen zu lassen und überlegt einzuschieben.

Vor 48 510 Zuschauern war Stuttgart in der Mercedes-Benz Arena das klar bessere Team und spielte die Schalke-Abwehr mitunter schwindelig. Dennoch bleibt der VfB mit null Punkten Tabellen-17. Schalke dagegen hat vor der Mittwochs-Partie gegen Eintracht Frankfurt mit zehn Punkten den Kontakt zur Spitzengruppe gehalten.

Der Katastrophen-Start war Stuttgart dabei nicht anzusehen gewesen. Die auf vier Positionen veränderte Startelf setzte Schalke drei Tage nach deren Europapokalauftritt auf Zypern gleich unter Druck. Timo Werner, in Berlin vergangene Woche nicht einmal im Kader und nun neben Daniel Ginczek zweite Spitze im 4-4-2, lieferte die beiden ersten Gelegenheiten der Partie (8. und 17.). «Er hat genau das gezeigt, was ich mir durch die Maßnahme erhofft habe», lobte Traienr Alexander Zorniger.

Die Gäste aus Gelsenkirchen kamen kaum zu eigenen Strafraumszenen und profitierten meist von Fehlern im Aufbauspiel der Schwaben. Der VfB produzierte und vergab Chancen im Minutentakt. Daniel Ginczek (27./34./36.), Maxim (33.) oder Gentner (41.) zielten aber zu ungenau, vertändelten oder scheiterten am starken Schalke-Keeper Ralf Fährmann.

Vor dem Kellerduell bei Hannover 96 am Mittwoch reagierte Stuttgart auch nach dem Gegentreffer keinesfalls geschockt, sondern erspielte sich weiter Chancen. Aber das Pech und Unvermögen wurde der Traditionsverein nicht mehr los.