VfL-Umbruch: Knapp 100 Millionen gegen Standortnachteil

Knapp 100 Millionen Euro reicher geht der VfL Wolfsburg auf eine ungewollte Blitz-Shoppingtour. Ohne Bundesliga-Rekordtransfer Kevin De Bruyne und Ivan Perisic beginnt für den deutschen Vizemeister am 1. September die Saison noch einmal neu.

VfL-Umbruch: Knapp 100 Millionen gegen Standortnachteil
Peter Steffen VfL-Umbruch: Knapp 100 Millionen gegen Standortnachteil

Bis dahin muss Manager Klaus Allofs den Abgang des in der vergangenen Saison zusammen an 43 Toren beteiligten Offensivduos kompensieren und mit viel Geld wieder einmal den Standortnachteil des Volkswagen-Clubs ausgleichen. «Wir müssen prüfen, ob es sinnvolle Dinge gibt. Wir versuchen uns natürlich gut aufzustellen, wenn wir einen oder zwei abgeben», kündigte Allofs an. Bayern Münchens Abwehrspieler Dante könnte schon am Montag in Wolfsburg vorgestellt werden.

Gewollt war das eigentlich nicht. Der VfL hat zwar die Konzernmutter im Rücken, bleibt aber trotz Pokalsieg, Vizemeisterschaft, Champions-League-Rückkehr und glänzender sportlicher Aussichten offensichtlich ziemlich unattraktiv für begehrte Fußballprofis. «Es wäre mir lieber, wir würden darüber sprechen, dass Kevin doch noch bei uns bleibt», bekannte Allofs nach dem 3:0 gegen den FC Schalke, das der VfL schon ohne De Bruyne und Perisic feierte.

Obwohl der VfL mit beiden Spielern verlängern wollte und insbesondere dem Fußballer des Jahres De Bruyne eine saftige Gehaltserhöhung geboten hatte, waren die Niedersachsen am Ende ohne Chance. «Das ist schon eine Enttäuschung», meinte auch VfL-Torjäger Bas Dost.

Für mindestens 75 Millionen Euro kaufte Manchester City den 24 Jahre alten belgischen Nationalspieler De Bruyne aus dem noch bis 2019 laufenden Vertrag heraus. Größere Chancen auf Titel hat De Bruyne, der in der Premier League beim FC Chelsea gescheitert war, nicht unbedingt. Trotz gigantischer finanzieller Anstrengungen in der Vergangenheit hat der Scheichclub ManCity auch international wahrlich noch keine Bäume ausgerissen. Trotzdem wollte De Bruyne unbedingt zurück auf die Insel und bessert sein Gehalt wohl deutlich auf.

Noch unverständlicher erscheint der Wechsel von Perisic für rund 20 Millionen Euro zu Inter, das in dieser Saison gar nicht im Europacup vertreten ist. Auch Wolfsburgs Coach Dieter Hecking kann die Beweggründe seiner bisherigen Leistungsträger offenbar kaum nachvollziehen und ist reichlich angesäuert. Kurz vor Ende der Transferfrist am Montag dürfte sich ihm die Frage nach dem Sinn der Vorbereitung gestellt haben. Zwei Fixpunkte im bisherigen VfL-Spiel sind nun weg, neue Spieler müssen ab Dienstag integriert werden.

Wer das außer Dante sein wird, war am Wochenende unklar. Zumal sich Allofs zu den blühenden Spekulationen nicht äußern wollte und darauf verwies, dass die Abgänge De Bruynes und Perisic' noch gar nicht fix waren. Schenkt man Medienberichten Glauben, ist Wolfsburg nun an der halben Bundesliga und etlichen Talenten aus dem Ausland interessiert. Eins davon saß am Freitag bereits auf der Tribüne: Der erst 17 Jahre alte Belgier Ismail Azzaoui von Tottenham Hotspur. Auch Hochkaräter wie Bayerns Mario Götze und Julian Draxler vom FC Schalke wurden gehandelt. «Ich schließe gar nicht aus», sagte Allofs.

Gegen eine riesige Transferoffensive spricht die Erkenntnis vom Freitag, dass es auch ohne De Bruyne und Perisic zu Klasse-Leistungen reicht. «Wir haben noch mehr Spieler zum Glück», befand Dost: «Das zeigt, welche überragende Qualität wir haben.» Ohne De Bruyne allerdings dürfte sich Wolfsburg schwerer tun, die Bayern so zu ärgern wie beim fulminanten 4:1 zum Rückrundenauftakt der vergangenen Saison oder dem Supercup-Sieg vor der aktuellen Spielzeit. Zumal die am Freitag schwachen Schalker bei ihrer Pleite tatkräftig mithalfen. «Ich denke, dass wir uns noch steigern können», erkannte auch Allofs und verabschiedete sich in einen arbeitsintensiven Transfer-Endspurt.