Viel Live-Adrenalin: Arctic Monkeys und The Strypes

Von Alex Turners Kehlkopfentzündung, die seine Arctic Monkeys zur kurzfristigen Absage mehrerer Konzerte gezwungen hatte, war nichts zu spüren. Die britische Nummer-eins-Band präsentierte sich in Berlin zur Erleichterung von rund 3500 Fans in Topform.

Viel Live-Adrenalin: Arctic Monkeys und The Strypes
Sebastian Kahnert Viel Live-Adrenalin: Arctic Monkeys und The Strypes

Auch Turner selbst, der charismatische Sänger mit der Schmalztolle, ließ am Dienstagabend über 90 Minuten weder stimmlich noch konditionell Schwächen erkennen. Vielleicht war es ja das zum Mitsingen, Mitklatschen und Mithüpfen jederzeit aufgelegte Publikum in der ausverkauften Columbia-Halle, das den Frontmann und seine drei Band-Kumpels anspornte. Oder aber The Strypes, die junge irische Vorband, die mit ihrem atemberaubenden Tempo-Bluesrock die Messlatte für den Hauptact hoch gehängt hatte.

Die Motivationshilfe zeigte jedenfalls Wirkung bei den Arctic Monkeys, die es mit dem neuen Album «AM» (Domino) zum fünften Mal hintereinander seit 2006 an die Spitze der UK-Charts geschafft hatten. Auch in Deutschland sind die vier Jungs aus Sheffield mit ihrer Mischung aus punkigem Britpop, breitbeinigem Rock und erhabenen Stadionhymnen längst eine große Nummer.

Die überwiegend jugendlichen Fans in Berlin quittierten neue Songs wie «Fireside» oder «No. 1 Party Anthem» mit ebenso viel Beifall wie ältere Hits (etwa «I Bet You Look Good On The Dancefloor») - ein untrügliches Zeichen, dass diese Band ihr Publikum ohne Probleme durch Veränderungs- und Reifeprozesse mitnimmt. Dabei wählten die Arctic Monkeys in jüngster Zeit nicht den leichtesten Weg - Turners Freundschaft mit Josh Homme (Queens Of The Stone Age) hat ihre Musik muskulöser gemacht, die juvenile Leichtigkeit wich einem ziemlich amerikanisch angehauchten Heavyrock-Sound.

Was diese vier Endzwanziger schon hinter sich haben - nämlich den steilen Aufstieg aus einem kleinen britischen Arbeiter-Vorort in die großen Rock-Arenen -, davon können The Strypes erst einmal nur träumen. Das Quartett aus Cavan in Irland hat allerdings schon die richtigen Sonnenbrillen, Gitarrenhelden-Posen, adrenalinhaltige Riffs und gute Songs, um sein Ziel zu erreichen.

In Berlin spielte die Band um Sänger Ross Farrelly in einer Dreiviertelstunde fast alle Songs ihres Debüts «Snapshot» (Mercury/Universal), das in Großbritannien auf Platz 5 der Albumcharts sprang. Mit ihrer Energie und Euphorie ließen die jungen Burschen dabei fast vergessen, dass man solche Popmusik schon 1967, 1977 oder 1997 hören konnte: eine rasante Mischung aus Blues, Rock, Powerpop und Punk, die sich bei The Who oder den Animals, The Buzzcocks oder Oasis gleichermaßen unverkrampft bedient.

Weitere Deutschland-Konzerte von Arctic Monkeys und The Strypes: 11.11. Düsseldorf, 12.11. München.