Viele Tote bei Lastwagen-Attacke in Frankreich

Ein Lastwagen ist in Nizza bei den Feiern zum französischen Nationalfeiertag in eine Menschenmenge gerast und hat mehrere Dutzend Menschen getötet. Es gebe «vielleicht etwa 30» Todesopfer, sagte der Unterpräfekt des Verwaltungsbezirks Alpes-Maritimes, Sébastien Humbert.

Der Fahrer sei niedergeschossen worden, sagte er dem Sender BFMTV. Der französische Präsident François Hollande wollte in Paris an einer Sitzung des Krisenstab im Innenministerium teilnehmen.

Wie die Nachrichtenagentur AFP in der Nacht zum Freitag weiter unter Berufung auf den Élysée-Palast berichtete, sprach Hollande zuvor bereits mit Premierminister Manuel Valls und Innenminister Bernard Cazeneuve.

Der Lastwagen sei an der bei Touristen beliebten Strandpromenade von Nizza in die Menschenmenge gerast - und zwar über eine lange Distanz. Deshalb sei die Zahl der Opfer auch so hoch. Die Bilanz sei allerdings noch unsicher und vorläufig. Er sprach von einem «kriminellen Angriff». Zur Frage, ob es sich um einen Terrorangriff handele, äußerte er sich nicht. Humbert rief dazu auf, das Stadtzentrum zu meiden.

Das Auswärtige Amt in Berlin riet dringend dazu, den Anweisungen der französischen Sicherheitskräfte Folge zu leisten und sich zur Lageentwicklung über die Medien informiert zu halten.

Die zuständige Präfektur habe die Bevölkerung aufgerufen, zuhause zu bleiben, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Zahlreiche Rettungsmannschaften waren am Abend im Einsatz.

Die Zeitung «Nice Matin» berichtete am Donnerstagabend auf ihrer Internetsetseite, auf der berühmten Promenade des Anglais habe Panik und Verwirrung geherrscht. In Sozialen Medien kursierten zunächst nicht verifizierte Aufnahmen, die zeigen, wie Menschen wegrennen.

Unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen hat Frankreich den Nationalfeiertag begangen. Für die traditionelle Militärparade auf den Champs-Élysées in Paris waren rund 11 500 Sicherheitskräfte mobilisiert wurden.

Am Nationalfeiertag wird jedes Jahr der Erstürmung des Pariser Bastille-Gefängnisses am 14. Juli 1789 gedacht, die als Beginn der Französischen Revolution gilt.

Frankreich war wiederholt Ziel von Anschlägen. Bei islamistischen Attentaten waren im vergangenen Jahr 149 Menschen gestorben, davon 130 bei der Pariser Terrorserie am 13. November 2015. Während der kürzlich zu Ende gegangenen Fußball-Europameisterschaft hatte ein Mann, der sich zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte, nahe Paris einen Polizisten und dessen Partnerin umgebracht. Das Turnier fand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt.

Frankreichs Präsident François Hollande hatte am Donnerstag angekündigt, den seit November 2015 geltenden Ausnahmezustand in dem Land nicht über den 26. Juli hinaus verlängern. Man könne diese Maßnahme nicht ewig aufrechterhalten, sagte er in einem Fernsehinterview. Der Ausnahmezustand war mehrfach verlängert worden.