Vodafone verhandelt mit Verizon über Verkauf von US-Mobilfunker

Es könnte einer der größten Deals der Wirtschaftsgeschichte werden: Der Mobilfunk-Gigant Vodafone verhandelt mit dem US-Telekomkonzern Verizon über den Verkauf seines Anteils am Gemeinschaftsunternehmen Verizon Wireless. Das bestätigen die Briten am Donnerstag.

Nach Informationen aus informierten Kreisen könnte der mögliche Verkaufspreis 130 Milliarden Dollar (97 Mrd Euro) erreichen - und würde damit sogar noch die 124 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Time Warner durch AOL toppen. Verizon hält 55 Prozent am größten US-Mobilfunker, Vodafone die restlichen 45 Prozent.

In einer knappen Mitteilung bestätigte Vodafone ergebnisoffene Gespräche. An der Londoner Börse löste die Nachricht Jubel aus. Die Vodafone-Aktie stieg zeitweise um 9,24 Prozent auf 206,8 Pence und stand damit mit Abstand an der Spitze des britischen Aktienindex FTSE 100.

Sollte das Geschäft zustandekommen, würden die Briten einen ihrer wertvollsten Vermögenswerte verkaufen. Doch das käme Vodafone vielleicht gerade recht. Denn zum einen würde ein solcher Schritt gut zur Strategie der Briten passen, Geschäftsbereiche abzustoßen, die Vodafone nicht vollständig kontrolliert. Zudem könnte der Verkauf der Verizon-Wireless-Anteile aber auch ein Königsweg für die Briten sein, um dringend benötigtes Kapital einzusammeln. Denn Vodafone steht vor der Herausforderung, dem darbenden Europa-Geschäft auf die Sprünge zu helfen.

In den Märkten Europas und Asiens ist Vodafone wegen heftiger Konkurrenz nämlich einem erheblichem Preisdruck ausgesetzt. Dadurch sinkt der Mobilfunkumsatz. Außerdem überlasten die Datenmengen, welche Handynutzer abrufen, die Mobilfunknetze. Hohe Investitionen stehen an. Vodafone setzt nun auf die Kabelnetzbetreiber, denn deren Netze könnten die Funkverbindungen entlasten.

Vodafone sperrte sich dem Vernehmen nach nicht grundsätzlich gegen einen Verkauf des Dividendenbringers. Im April soll bereits darüber gesprochen worden sein. Doch zu diesem Zeitpunkt lagen die Preisvorstellungen der beiden Partner offenbar noch weit auseinander. Die Amerikaner wollen demnach 100 Milliarden Dollar zahlen, den Briten schweben 130 Milliarden Dollar vor.