Völkermord-Resolution empört Türkei - Premier relativiert

Die Völkermordresolution des Bundestages wird nach den Worten des türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim nicht zu einem völligen Bruch in den deutsch-türkischen Beziehungen führen.

Völkermord-Resolution empört Türkei - Premier relativiert
Katia Christodoulou Völkermord-Resolution empört Türkei - Premier relativiert

«Deutschland und die Türkei sind sehr wichtige Bündnispartner», sagte Yildirim nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu in Ankara.

«Niemand soll erwarten, dass sich mit dieser und mit ähnlichen Entscheidungen plötzlich unsere Beziehungen zu Deutschland vollständig verschlechtern», sagte Yildirim. Natürlich werde die Türkei aber auf die Resolution reagieren.

Die Türkei hatte am Donnerstag wegen der Annahme der Resolution zu den Massakern an den Armeniern im Osmanischen Reich ihren Botschafter aus Berlin zu Konsultationen nach Ankara zurückgerufen. Außerdem wurde der Geschäftsträger der deutschen Botschaft ins türkische Außenministerium einbestellt. Yildirim hatte die Annahme der Resolution «eine falsche Entscheidung» genannt.

Auch löste die Annahme der Völkermord-Resolution in der Türkei ein verheerendes Presseecho aus. Regierungsnahe Zeitungen laufen einhellig Sturm gegen die Resolution. Auch von manchen kritischen Medien wird sie hart verurteilt.

Die Zeitung «Sabah» - die Positionen der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP wiedergibt - erscheint mit Blick auf das Bündnis zwischen Deutschland und dem Osmanischen Reich im Ersten Weltkrieg mit der Schlagzeile: «Unser Waffenbruder ist uns in den Rücken gefallen». Zu der Bundestags-Entscheidung meinte das Blatt: «Dadurch ist die Schicksalsgemeinschaft, die im Ersten Weltkrieg begonnen hat, Geschichte. (...) Unsere Soldaten haben ihr Leben offenbar umsonst für Deutschland gegeben.»

Die einstmals AKP-kritische Zeitung «Hürriyet», die sich in den vergangenen Monaten Regierungspositionen angenähert hat, trägt vor einem Foto des Bundestags die Schlagzeile: «Schande über Euch». Weiter heißt es: «Der Bundestag hat die Resolution zum Armenier-Genozid angenommen, die eine tiefe Wunde in die jahrhundertealten Beziehungen zur Türkei reißen wird.» Im Innenteil schrieb das Blatt vom «Völkermord an der Freundschaft».

Die AKP-feindliche und stramm kemalistische Zeitung «Sözcü» druckt eine Fotomontage von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Hitlerbart und in einer Nazi-Uniform vor einer Hakenkreuzflagge. Das Blatt titelt auf Deutsch: «Schämen Sie sich!». «Sözcü» kritisiert: «Hitlers Enkel haben die Türkei des Genozids bezichtigt. (...) Deutschland, das im Zweiten Weltkrieg Völkermord begangen hat, indem es sechs Millionen Juden massakriert hat, und das mit Waffenlieferungen an die PKK den Weg dafür bereitet hat, dass unsere Kinder zu Märtyrern werden, hat den sogenannten armenischen Genozid ratifiziert...WIR SIND WÜTEND».

Die regierungskritische Zeitung «Cumhuriyet» wählt dagegen eine nüchterne Schlagzeile. «Die Einsamkeit von 1915» schreibt das Blatt in Anspielung auf die zunehmende Isolation der Türkei in der Völkermorddebatte. «Die AKP und (Präsident Recep Tayyip) Erdogan haben einen weiteren Diplomatie-Krieg verloren».